Schädel-Ausstellung Kultige Totenköpfe

Von den Neandertalern bis zu den Fans des FC St. Pauli: Eine Ausstellung in Mannheim zeigt mehr als 300 Totenköpfe aus aller Welt. Warum sich ein Besuch der musealen Geisterbahn lohnt.

Ein Hauch von musealer Geisterbahn erwartet die Besucher: Dem Schädelkult widmen die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen jetzt eine Ausstellung. Bis Ende April 2012 werden im Museum Weltkulturen mehr als 300 Totenköpfe aus verschiedenen Kulturkreisen zu sehen sein. Das schaurige Panoptikum versammelt unter anderem Schrumpfköpfe aus Südamerika, Ahnenschädel aus Kolumbien, Schädelschalen aus dem pfälzischen Herxheim oder Schillers angebliche Überreste.

Die Verehrung der Totenköpfe

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Es sei die weltweit erste Schau, die sich der besonderen Bedeutung von Kopf und Schädel in der Kulturgeschichte des Menschen widmet, sagte Projektleiter Wilfried Rosendahl. Vieles sei noch nicht vollständig erforscht. Das Museum lässt deshalb in den kommenden Tagen auch einige der Exponate noch auf ihr Alter untersuchen.

In vier Räumen stehen Themen wie Hirnforschung, Kriminaltechnik oder Totenverehrung im Fokus. Besucher können auf eine archäologische Zeitreise gehen. Gezeigt werden zum Beispiel der zehntausende Jahre alte Schädel eines Neandertalers - das Original soll die derzeitige Rekonstruktion am 24. Oktober ersetzen - und ein 9000 Jahre alter Ahnenschädel aus Israel, auf dem mit Lehm das Gesicht des Toten "übermodelliert" wurde. Die erstmals außerhalb des Landes gezeigte Leihgabe gilt als erster Nachweis dafür, dass die Menschen bereits so früh auf diese Weise ihrer Verstorbenen gedachten.

Außerdem gibt es Themenabteilungen zu Funden aus aller Welt. Gezeigt werden Trophäen der indischen Naga, Schrumpfköpfe aus Ecuador oder Schädel aus Afrika, die mit Vorhängeschlössern und Bandagen gesichert wurden, weil nach dem lokalen Glauben der Geist noch immer dort wohnt. Das Inselvolk der Andamanen im Indischen Ozean wiederum sah in den Schädeln ihrer toten Verwandten einen Schutz und trug diese deshalb auf den Rücken gebunden mit sich herum.

Auch in Europa herrscht ein Schädelkult: Er reicht von Totenkopf-Motiven auf T-Shirts und Fußball-Fanflaggen von St. Pauli über kunstvoll bemalte Schädel in Beinhäusern bis hin zu Reliquien. Ein Beispiel ist Rosendahl zufolge auch die Suche nach Schillers Originalschädel. Ein vom Weimarer Bürgermeister Carl Schwabe in einer Nacht-und-Nebel-Aktion 1826 aus einem Massengrab geholter Schädel erwies sich nach einer DNA-Analyse als der falsche. Deswegen ist nicht das Original, sondern nur der sogenannte Schwabe-Schädel zu sehen.

Anlass für die Ausstellung mit Beiträgen von etwa 50 Leihgebern war die Wiederentdeckung einer als verschollen geglaubten Sammlung des Künstlers und Darwinisten Gabriel von Max (1840-1915) vor drei Jahren.

Die Verehrung der Totenköpfe

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