Regividerm:Neurodermitis-Salbe wird erneut überprüft

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Ist die umstrittene Neurodermitis-Salbe Regividerm nur ein Medizinprodukt oder doch ein Arzneimittel? An dieser Frage hängt ihre Zukunft.

Kurz vor ihrer geplanten Markteinführung soll die umstrittene Neurodermitis-Salbe Regividerm erneut überprüft werden. Es werde untersucht, ob es sich bei dem Produkt nicht doch um ein Arzneimittel handele, sagte eine Sprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf am Dienstag. Die durch den WDR-Film "Heilung unerwünscht" bekanntgewordene Salbe ist bislang nur als Medizinprodukt zugelassen.

Nach der Berichterstattung der vergangenen Tage werde man noch einmal einen besonderen Blick darauf werfen, ob das in der Salbe enthaltene Vitamin B12 nicht doch ein medizinischer Wirkstoff und das Produkt damit ein Arzneimittel sei. Für die Zulassung von Arzneimitteln gelten höhere Zulassungshürden als für Medizinprodukte, die laut der Sprecherin nur oberflächliche Wirkungen entfalten dürfen. Das Anzeigen eines Medizinprodukts sei im Grunde nur ein formaler Akt, erklärte die Sprecherin.

Sollte die Salbe, die neben dem Vitamin B12 auch noch Avocadoöl enthält, tatsächlich als Arzneimittel eingestuft werden, müsste der Bezirksregierung zufolge das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) über die Markteinführung entscheiden.

Laut Hersteller sollte die Salbe, die gegen die Hautkrankheiten Neurodermitis und Schuppenflechte nebenwirkungsfrei helfen soll, im November in den Apotheken in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhältlich sein. Der WDR-Film hatte eine Debatte über die tatsächliche Wirksamkeit der Salbe ausgelöst. Dem Bericht zufolge war sie jahrelang von keinem Pharmakonzern produziert worden, angeblich um den Verkauf eigener teurerer Medikamente nicht zu gefährden.

Experten warnen vor überzogenen Erwartungen. Einige Mediziner meinen, die bisherigen klinischen Studien sind einwandfrei, der Kreis der Probanden sei aber noch sehr klein. Der Deutsche Neurodermitis Bund glaubt nicht an eine heilende Wirkung. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände sieht weiteren Forschungsbedarf und rät Patienten, sie sollten sich vor Nutzung der Salbe mit ihren Ärzten absprechen.

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