Psychologie:Kluges Lächeln, dummes Lächeln

Peter Ramsauer, 2011

Lächeln wirkt in den meisten Ländern zumindest ehrlich - ein Vorteil für Politiker wie Peter Ramsauer (CSU).

(Foto: Catherina Hess)
  • In Deutschland, Österreich und der Schweiz werden Menschen mit lächelndem Gesichtsausdruck laut einer Befragung tendenziell intelligenter eingeschätzt.
  • Umgekehrt ist es etwa in Frankreich und Russland. Ein klares geografisches Muster lässt sich jedoch nicht erkennen.
  • Fast überall werden lächelnde Menschen als ehrlicher wahrgenommen.

Von Christian Endt

Wirkt ein lächelnder Mensch auf andere eher klug oder eher dumm? Eine Studie zeigt: Es kommt darauf an. Von Land zu Land wird ein freundlicher Gesichtsausdruck ganz unterschiedlich wahrgenommen. In vielen Ländern werden Personen von ihren Mitmenschen als intelligenter eingeschätzt, wenn sie ein Lächeln auf den Lippen haben; etwa in Österreich, der Schweiz, Großbritannien, Ägypten und den Philippinen. In Deutschland ist der Effekt sogar am stärksten. Allerdings gibt es auch eine Reihe von Ländern, in denen das Gegenteil zutrifft: In Frankreich, Russland, Iran, Japan und Südkorea wirken lächelnde Menschen besonders dumm, außerdem in manchen Regionen Indiens.

Diesen Befund veröffentlichte ein internationales Team um den Psychologen Kuba Krys von der polnischen Akademie der Wissenschaften in der Juni-Ausgabe der Fachzeitschrift Journal of Nonverbal Behavior. Die Wissenschaftler haben 5216 Studenten in 44 Ländern jeweils Fotos von acht Personen gezeigt. Von allen acht gab es je ein Bild mit lächelndem und eines mit neutralem Gesichtsausdruck; jeder Proband sah nach dem Zufallsprinzip jeweils vier Fotos aus beiden Kategorien. Anschließend sollten die Studenten angeben, wie intelligent ihnen die gezeigten Menschen erschienen.

Lächelnde Menschen werden meist als ehrlicher wahrgenommen

In 18 Ländern wirkte sich das Lächeln im Durchschnitt positiv auf die eingeschätzte Intelligenz aus, in sechs Ländern dagegen negativ. In den restlichen 40 Staaten hatte der Gesichtsausdruck keinen statistisch signifikanten Effekt. Dabei gibt es kein geografisches Muster, also beispielsweise eine Ost-West-Unterteilung; die Nachbarländer Deutschland und Frankreich beispielsweise zeigten entgegengesetzte Ergebnisse. Auch der Wohlstand der Nationen taugt nicht als Erklärung. Stattdessen deuten die Forscher ihren Befund mit einem kulturellen Unterschied: Dort, wo die Menschen pragmatisch sind und sich auf eine ungewisse Zukunft einstellen, erscheine ihnen ein Lächeln als ungerechtfertigtes Anzeichen von Sicherheit, das sie mit Dummheit assoziieren.

Neben der Intelligenz sollten die Teilnehmer der Studie auch beurteilen, wie ehrlich ihnen die Personen auf den Fotos erscheinen. Dabei herrscht unter der Weltbevölkerung größere Einigkeit; in den allermeisten Ländern werden lächelnde Menschen als ehrlicher wahrgenommen. Wie stark der Effekt ist, variiert jedoch ebenfalls. Dabei entdeckten Krys und seine Kollegen ein Muster: Je weniger Korruption in einem Land herrscht, desto vertrauenswürdiger werden lächelnde Menschen dort eingeschätzt.

© SZ vom 05.07.2016
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