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Psychologie:Hinter der Selfie-Maske

Tag des Clowns in Peru
(Foto: Martin Mejia/dpa)

Ist der Mensch hinter dem Selfie erkennbar? Ja, sagen Psychologen, die Fotos verraten einiges.

Von Sebastian Herrmann

Gelegentlich drängt sich ja der Eindruck auf, Kameras dienten mittlerweile nur mehr einem einzigen Zweck: nämlich dem, sich die Geräte vor das eigene Gesicht zu halten und sich selbst abzulichten. Dazu setzen die Foto-Autoerotiker der Gegenwart ihre Selfie-Maske auf, die scheinbar universellen Regeln folgt: Das Gesicht wird leicht schräg gehalten, die Lippen zum Duck-Face geöffnet, die Augen aufgerissen und wenn das Selbstbildnis dann perfekt ist, wird es sofort bei Instagram, Facebook oder sonstwo veröffentlicht. Als griesgrämiger Misanthrop kommt man da natürlich auf die Idee, dass jetzt alle zu Narzissten geworden sind und alle auf ihren Selbstbildnissen auf maskenhaft verstellte Weise austauschbar aussehen. Doch offenbar, so berichten nun Psychologen um Aleksandra Kaurin von der Universität Mainz im Journal of Research in Personality, offenbaren sogar Selfies, was für eine Persönlichkeit sich hinter der fotografierten Maske verbirgt. Sollten die Probanden der Forscher den Charakter eines Menschen anhand eines Selfies kategorisieren, fielen die Ergebnisse demnach ähnlich präzise aus wie unter standardisierten Laborbedingungen. Die meisten Probanden waren sich in der Bewertung der Menschen auf den Bildern einig - auch darin, dass eine Person auf einem Selfie etwas narzisstischer, extrovertierter und weniger gewissenhaft wirkt als auf Bildern, die ein anderer von ihnen gemacht hat.

© SZ vom 23.10.2018
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