Physik Antimaterie eingefangen

Wissenschaftler des europäischen Teilchenforschungszentrums Cern haben erstmals Antimaterie erzeugt und kontrolliert festgehalten. Ihre Forschung soll helfen, eines der größten Rätsel der Physik zu lösen.

Von Inga Ludwig

Außer in der Phantasie mancher Science-Fiction-Autoren waren Anti-Atome bislang eine flüchtige Erscheinung.

Die "Magnetfalle" des Experiments "Alpha", in der Anti-Atome erzeugt und für eine sechstel Sekunde gespeichert wurde.

(Foto: Chukman So/ALPHA)

Zwar gelingt es, die Grundbausteine von Antimaterie, also Antiprotonen und das Gegenstück des Elektrons, das Positron, in Teilchenbeschleunigern zu erzeugen, dank ihrer elektrischen Ladung einzufangen und einzeln in elektromagnetischen Fallen zu speichern.

Doch deren Zusammenschluss zum Anti-Atom ist äußerlich elektrisch neutral und daher mit elektrischen Feldern schwer zu manipulieren.

Nun haben Physiker am Europäischen Teilchenforschungszentrum Cern erstmals Anti-Wasserstoff kontrolliert festgehalten.

Wie sie im Fachmagazin Nature (online) berichten, konnten sie am Experiment "Alpha" 38 Anti-Atome erzeugen und in einer Magnetfalle für mindestens eine sechstel Sekunde speichern.

Trifft Antimaterie auf normale Materie, vernichten sich beide sofort gegenseitig. Daher war der Anti-Wasserstoff, den Physiker bereits seit 2002 am Cern erzeugen, bislang nur kurzlebig.

Mit der kontrollierten Speicherung hoffen Physiker nun, bald Anti-Atome genauer studieren zu können.

Eventuelle Unterschiede zu gewöhnlichem Wasserstoff könnten Hinweise darauf geben, warum aus dem Urknall, in dem Materie und Anti-Materie in gleicher Menge entstanden, ein Universum aus Materie hervorgegangen ist.

Dieses Ungleichgewicht ist eines der größten Rätsel der Physik.