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"Patient null":Rätsel um den Ursprung der Schweinegrippe

Behörden wollen den ersten Schweinegrippe-Kranken in Mexiko aufgespürt haben - den "Patienten null". Trotzdem wird über den Ursprung des Erregers gestritten.

Die mexikanische Regierung hat den fünf Jahre alten Edgar Hernandez als die erste Person in dem Land identifiziert, die sich mit dem mutierten Virustyp H1N1 infiziert hat. Das berichtet die New York Times. Das Kind aus dem 3000-Einwohner-Ort La Gloria, das laut CNN von seinen Ärzten "Patient null" genannt wird, überlebte die Erkrankung.

"Patient null": Der fünfjährige Edgar Hernandez.

(Foto: Foto: AFP)

Bei dem Jungen soll dem Guardian zufolge bereits am 3. April ein Abstrich im Hals genommen worden sein, der allerdings erst zwei Wochen später auf das neuartige Virus getestet wurde - nachdem eine 39-jährige Frau an der Krankheit gestorben und das mutierte Virus auch in Südkalifornien aufgetaucht war.

In diesem Fall gebe es einen Patienten, der positiv auf das Schweinegrippe-Virus getestet worden sei - mit der Besonderheit, dass der Erreger zu dieser Zeit in keiner Region der Welt etabliert gewesen sei, sagte der mexikanische Gesundheitsminister José Àngel Córdova CNN zufolge. Der Fünfjährige soll zudem der einzige im mexikanischen Staat Veracruz gewesen sein, bei dem Schweinegrippen-Erreger festgestellt wurde.

Die Einwohner von La Gloria wollen das jedoch nicht glauben. Denn Edgar war nur einer von Hunderten Menschen in der Ortschaft, die im März an einer unklaren Erkrankung mit grippeähnlichen, jedoch nicht ganz typischen Symptomen litten - und nur eine geringe Anzahl von ihnen wurde nachträglich auf das Virus getestet. Daher ist durchaus denkbar, dass sich weitere Menschen in La Gloria mit der Schweinegrippe infizierten.

"Genau das, was uns passiert ist"

Mehrere Einwohner werfen Mitarbeitern der mexikanischen Gesundheitsbehörde denn auch vor, die Erkrankung zunächst zu sehr auf die leichte Schulter genommen zu haben. Die wollen einen solchen Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen: Man habe schnell gehandelt - auch wenn man die Angelegenheit ernster genommen habe, nachdem auch in anderen Teilen des Landes Erkrankungen aufgetreten seien.

Die Menschen in La Gloria nahmen die Geschehnisse in ihrem Ort noch einmal neu wahr, als sie sahen, was kurze Zeit nach ihrer eigenen Krankheitswelle in Mexiko-Stadt und anderswo passierte: Wie mehrere Einwohner sagten, hatten sie den Eindruck, dies sei "genau das, was uns passiert ist".

Die Mutter von Edgar Hernandez und andere Bewohner La Glorias sind überzeugt, dass das Virus von einer großen, nahegelegenen Schweinefarm der Firma Smithfield Foods stammt, in deren Windschatten La Gloria liegt.

"Wir sind keine Ärzte, aber es ist schwer für uns, nicht anzunehmen, dass die Schweinefarmen um uns nicht etwas damit zu tun haben sollten", sagte Einwohnerin Anselma Amador dem Guardian. "Die Grippe hat Schweinematerial in sich und wir sind Menschen, keine Schweine."

Larry Pope, Präsident der in Virigina beheimateten Smithfield Foods, bestreitet die Vorwürfe allerdings : Mexikanische Behörden hätten mehrere Tage lang Schweineherden der Firma getestet, sagte Pope dem Wall Street Journal. "Unsere Schweine sind sicher", betonte Pope.

Und obwohl in La Gloria der bisherige "Patient null" aufgespürt wurde, muss der Ursprung des Schweinegrippe-Erregers tatsächlich nicht in der Ortschaft liegen. Wie die New York Times schreibt, leben dort viele Immigranten aus den USA. Daher könnte das Virus laut mexikanischen Seuchenexperten auch von außen gekommen sein. Noch vor dem fünfjährigen Edgar könnte es eine Erkrankung in San Diego gegeben haben, sagte der Experte der Regierung, Miguel Ángel Lezana.

© sueddeutsche.de/gal/vw
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