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Öko-Bilanz des Internethandels:Das macht 500 Gramm CO2

Ökobilanz des Versandhandels

Längst nicht jeder Transporter ist ausgelastet.

(Foto: REUTERS)

Einkaufen im Netz gilt als umweltfreundlich. Schließlich bleibt der Pkw dabei in der Garage. Doch dies ist zu kurz gedacht. Eine kleine Öko-Bilanz des Versandhandels.

Auf den ersten Blick scheint die Sache klar: Wer per Mausklick einkauft und sich die bestellten Waren nach Hause bringen lässt, handelt umweltfreundlicher als sein Nachbar, der für jede Besorgung ins Auto steigt. Schließlich vermeidet der Online-Besteller zusätzliche Fahrten. Internet-Händler und Logistikunternehmen haben gleich Zahlen parat, die diese Argumentation stützen.

So hat die Deutsche Post DHL ausgerechnet, dass der Versand eines Pakets über ihr Zustellsystem weniger als 500 Gramm Treibhausgasemissionen verursacht. 500 Gramm CO2 - damit kommt ein modernes Mittelklassefahrzeug nicht einmal 3,5 Kilometer weit. Und weil die Bundesbürger nach Schätzung des Darmstädter Öko-Instituts im Durchschnitt etwa sechs Kilometer unterwegs sind, um Lebensmittel, Pullover oder Schuhe zu kaufen, hat der Einkauf im Netz in der Umweltbilanz klar die Nase vorn. Soweit die Theorie. Die Wirklichkeit sieht anders aus.

Das beginnt mit der Auswahl der Produkte. Wer Bücher, Socken oder Batterien braucht, vergleicht nicht lange. Solche Artikel sind schnell im Netz gekauft. Ein paar Klicks und die Produkte sind im Warenkorb. Anders ist die Sache bei Kleidungsstücken, Fernsehern oder etwa Fahrrädern. Da stöbern viele Kaufinteressenten gerne zunächst einmal in den einschlägigen Läden. Sie vergleichen. Probieren. Lassen sich beraten. Und fahren nach Hause, um im Internet zu bestellen, weil das gewünschte Produkt dort preiswerter zu haben ist.

Schon ist die schöne Öko-Bilanz zugunsten des Onlinehandels Makulatur. "Nur weil E-Commerce boomt und immer mehr online bestellte Ware per Paketdienst zugestellt wird, bedeutet das nicht automatisch, dass die Kunden auf das Auto verzichten", meint Dieter Urbanke, Chef des zur Otto-Gruppe gehörenden Logistikdienstleisters Hermes Fulfilment .

Noch mehr hat die Umwelt zu leiden, wenn der Zusteller den Kunden nicht antrifft und kein freundlicher Nachbar die Sendung annimmt. Dann nimmt der Paketmann den Karton wieder mit. Kuriere des Paketdienstes Hermes kommen noch ein zweites oder auch ein drittes Mal vorbei, um die Sendung zuzustellen - macht jedes Mal 500 Gramm Treibhausgasemission. Wenn auch dann niemand öffnet, wandern die Pakete zum nächsten Hermes-Paketshop und der Kunde muss sie dort abholen.

So viel Geduld bringen die Zusteller von Deutsche Post DHL nicht auf. Sie klingeln nur einmal an der Wohnungstür. Ist niemand da, bringen sie die Sendung zu einer Packstation, also einem Automaten, an dem die Kunden rund um die Uhr Pakete abholen können. Zwar ist der Weg dorthin meist nicht weit, denn der Logistikkonzern unterhält bundesweit ein Netz von mehr als 2500 solcher Stationen. Aber die Kunden müssen sich wieder auf den Weg machen. Meist mit dem Auto, was erneut die Umwelt belastet.

Mehr als 250 Millionen Retourpakete jährlich

Die Öko-Bilanz verschlechtert sich weiter zu Lasten des Onlinehandels, wenn die Retouren in die Berechnung einfließen. Im Durchschnitt wird jedes dritte bestellte Produkt zurückgeschickt. Macht in Summe mehr als 250 Millionen Retourpakete jährlich. Um die abzuarbeiten, springen wieder jeden Tag viele hunderttausend Automotoren an.

Wer im Netz einkauft, möchte die bestellte Ware möglichst schnell haben. Gerne am nächsten Tag. Oder besser: noch heute. Viele Web-Händler haben sich darauf eingestellt und versprechen eine "taggleiche Zustellung". Das klappt, wenn die Firmen über ein dichtes Netz von Logistikzentren verfügen. Regionale Läger haben jedoch nur einen Teil des Sortiments vorrätig. Wenn nun eine Bestellung mehrere Artikel umfasst, erhält der Kunde unter Umständen nur einen Teil sofort. Der Rest wird später aus einem anderen Lager zugestellt. "Die taggleiche Zustellung reduziert Fahrzeugauslastungen und erzeugt Zusatzverkehr", betont Hermes-Fulfilment-Chef Urbanke.

Die zusätzlichen Autofahrten belasten die Umwelt. Aber sie setzten auch die Firmen unter Druck. Sie müssen energieeffizient arbeiten, sonst geraten ihre Kosten aus dem Ruder. Die Otto-Gruppe beispielsweise hat jüngst ihre Kartongrößen angepasst. Die enthalten jetzt im Durchschnitt 1,5 Liter weniger Luft. Das reduziert das Transportvolumen um mehr als 500 Lkw-Ladungen pro Jahr.

Nur wer seine Online-Einkäufe umsichtig plant, zu Hause ist, wenn der Paketbote klingelt und nichts zurückschickt, geht schonender mit der Umwelt um als der Ladenkäufer.

© SZ vom 23.02.2013/beu
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