ZoologieWie Tiere navigieren

Ameisen, Delfine, Zebras: Tiere nutzen ganz unterschiedliche Methoden, um sich zu orientieren. Manche sind bis heute ein Geheimnis.

Schrittzähler in der Wüste

Wer schon Probleme hat, sich einen Kirchturm zu merken, sollte kurz mal an die Wüstenameise denken. Das Insekt muss sich anders als die meisten Menschen in einem deutlich schwierigeren Terrain zurechtfinden: in der Eintönigkeit der Wüste. Dort gibt es so gut wie nichts, was den Ameisen den Weg weisen könnte. Umso mehr Respekt gebührt ihnen dafür, dass sie trotzdem zuverlässig die kürzeste Route zurück zum Nest finden. Dazu verfügen die Tiere über gleich zwei körpereigene Navigationshilfen, die unabhängig voneinander arbeiten. Das eine ist der Schrittintegrator. Dahinter verbirgt sich die beeindruckende Fähigkeit, die Länge der Schritte mit deren Anzahl zu verrechnen und daraus die zurückgelegte Entfernung zu bestimmen. Ob außer der Distanz auch die Richtung passt, erkennen die Ameisen anhand des Polarisationsmusters des Sonnenlichts. Das zweite Hilfssystem besteht in der Messung des sogenannten optischen Flusses. Vereinfacht gesagt, merken sich die Insekten dabei, wie die Landschaft während der Fortbewegung an ihnen vorbeizieht. Dabei ist - anders als für den Schrittintegrator - egal, ob die Tiere selbst laufen oder von anderen Ameisen getragen werden. Vergessen sollte man bei Ameisen nicht, dass die Orientierungsfähigkeit regelmäßig über Leben und Tod entscheidet. Müssten sie dauernd Umwege über den heißen Saharaboden nehmen, würde das schnell an den Lebenskräften der Ameisen zehren. Diese Dringlichkeit erklärt auch, warum sich bei den Insekten gleich zwei Orientierungsmechanismen entwickelt haben - es lohnt sich für sie.

19. November 2018, 12:162018-11-19 12:16:39 © SZ vom 17./18. November 2018/beu