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Erderwärmung:Klimawandel ist Ursache für jeden dritten Hitzetoten

Spätsommer in Niedersachsen

Bei langanhaltender Hitze kann es für den Körper gefährlich werden.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Wissenschaftler haben für die vergangenen 30 Jahre berechnet, wie Klimawandel und Hitzetode zusammenhängen. Besonders anfällig ist demnach auch Deutschland.

Von Benjamin von Brackel

An heißen Sommertagen drückt Schweiß durch die Poren auf die Haut, damit das verdunstende Wasser den Körper kühlt. Wenn die Luftfeuchtigkeit aber hoch ist und die Luft kaum noch Flüssigkeit aufnimmt, gerät der Mensch an seine Belastungsgrenze. Blut wird aus dem Zentrum in die Peripherie gepumpt, die Gefäße erweitern sich und der Herzschlag schnellt hoch. Schlimmstenfalls kollabiert nach einiger Zeit der Kreislauf.

Weil der Klimawandel solch schwülheiße Bedingungen begünstigt, steigt die Zahl der Hitzetoten. Um wie viele genau, war bislang jedoch unbekannt, da es schon aufwendig ist herauszufinden, wie viele Menschen aufgrund von Hitze gestorben sind. Den Anteil des Klimawandels an dieser Hitze zu beziffern, ist nochmals komplizierter. Ein internationales Team aus Medizinern und Umweltforschern um Anamaria Vicedo-Cabrera von der Universität Bern hat nun beides verbunden und so viele Daten zur Hitzemortalität ausgewertet wie nie zuvor - für 732 Orte aus 43 Ländern. Das Ergebnis ist im Fachblatt Nature Climate Change erschienen: Durchschnittlich 37 Prozent der Hitzetoten in den jeweils vier wärmsten Monaten des Jahres ließen sich auf den Klimawandel zurückführen. "Wir wissen jetzt, dass jeder dritte Hitzetote dem Menschen zugerechnet werden kann", sagt Vicedo-Cabrera. "Und mit fortschreitendem Klimawandel wird sich dieser Anteil erhöhen."

Allerdings variiert dieser stark von Land zu Land: In Ländern wie Iran und Kuwait konnte der Klimawandel bei mehr als der Hälfte der Hitzetoten als Ursache ausgemacht werden, genauso in manchen Ländern Südostasiens oder Zentral- und Südamerikas. Deutlich geringer lag der Anteil in den Nordregionen Amerikas, Europas und Asiens. Dieses starke Nord-Süd-Gefälle zeigt sich auch in den Zahlen der Hitzetoten insgesamt: Besonders viele Menschen starben in Südasien, Südamerika und allen voran in Südeuropa.

In Süd- und Mitteleuropa steigen die Todeszahlen bei Hitzewellen besonders stark an

Stärker als in vielen anderen Erdregionen stiegen in Süd- und Mitteleuropa die Todeszahlen an, wenn es sehr heiß wurde. Womöglich, weil der Anteil älterer Menschen in den Bevölkerungen höher liegt und Städte und Häuser oft nur unzureichend auf Hitze eingestellt sind. Beispiel Berlin: Das Risiko, an Hitze zu sterben, ist zwar insgesamt sehr klein, aber dieser kleine Anteil erhöht sich um 57 Prozent, wenn zehn Tage in Folge 28 Grad Celsius herrschen. Auf ganz Deutschland bezogen würden die Zahlen bedeuten, dass der Klimawandel zwischen 1993 und 2015 zu knapp 6500 zusätzlichen Hitzetoten geführt hat, verglichen mit rund 16 000 Hitzetoten aufgrund von natürlichen Ursachen.

Gerade einmal eine globale Erwärmung von derzeit einem Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau habe ausgereicht, dass in vielen Orten der Welt jedes Jahr Dutzende bis Hunderte von Menschen durch Hitze infolge des Klimawandels sterben, merken die Wissenschaftler um Vicedo-Cabrera an. Umso wichtiger sei es, die Erderwärmung schnell zu begrenzen und die ärmsten und verletzlichsten Länder in die Lage zu versetzen, sich daran anzupassen.

Noch fehlen für viele Länder aber die Daten, auf deren Grundlage sie handeln können. So mussten die Wissenschaftler große Teile Afrikas und Südasiens unberücksichtigt lassen. Gerade dort aber befinden sich viele der ärmsten Länder, die am empfindlichsten auf den Klimawandel reagieren und deren Bevölkerungen am schnellsten wachsen. "Deshalb ist eine wirklich globale Hitze-Gesundheitsanalyse noch nicht möglich", schreibt der Umweltwissenschaftler Dann Mitchell von der Universität Bristol in einem begleitenden Beitrag. Die Beschaffung dieser Daten werde für die Wissenschaft von entscheidender Bedeutung sein, die Länder bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen.

© SZ
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