Kennzeichnung von Pferden Chips vagabundieren durch den Pferdekörper

Die Diskussion wurde schon lange nicht mehr mit sachlichen Argumenten geführt. Der Deutsche Tierschutzbund warf den Pferdezüchtern vor, den Fohlen die Schmerzen des Brennens zuzumuten, um sie später, mit dem sichtbaren Markenzeichen auf dem Schenkel, teurer verkaufen zu können. Gekrönt wurden die Vorwürfe mit einer Anzeigenkampagne: das blutige hannoversche Brandzeichen auf der Schulter einer nackten jungen Frau. Das Lager der Gegner stellte das Brennen von Fohlen auf eine Stufe mit Käfighaltung von Legehennen und dem Kastrieren von Ferkeln ohne Betäubung.

Alles das sollte eigentlich verboten werden. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) jedenfalls weigerte sich zuletzt, das vorgesehene "Gesamtpaket" noch einmal aufzuschnüren. Eine Delegation hochrangiger Pferdeleute wurde bei einem Treffen in Berlin Ende September im Stehen abgefertigt, Aigner beendete den Termin nach 15 Minuten. Zu "unwürdigem Gezappel" sei man von der Ministerin gezwungen worden, schrieb Doppelolympiasieger Hinrich Romeike empört in einem offenen Brief.

Der Schweizer Mediziner Urs Schatzmann gilt als Autorität auf dem Gebiet der Schmerzforschung beim Pferd. Alle Gutachten zum Thema Schmerz beim Brennen beziehungsweise Chippen hat er durchforstet und festgestellt, dass nicht zu belegen ist, ob überhaupt und in welchem Maße Pferde bei der einen oder anderen Methode Schmerzen empfinden. Schließlich können sie weder reden noch laut aufjaulen.

Deutlicher wird der zweite Gutachter, der Hamburger Dermatologe Professor Volker Steinkraus. Er untersuchte 70 Pferde, 30 waren gebrannt, 30 nicht gebrannt, zehn gechippt. Die Haut in der Region des Brandes war zwar vernarbt wie nach oberflächlichen Verletzungen, aber Steinkraus fand keine Anzeichen von Entzündung. Anders beim Chippen: In allen Fällen wurde der Chip als Fremdkörper von Gewebe ummantelt, verbunden mit entzündlichen Abläufen. Während Hautverletzungen, wie sie das Brennen hervorruft, problemlos abheilen, empfindet der Körper den Chip offenbar lebenslang als störend. Im schlimmsten Fall bildet er eitrige Geschwüre, um ihn los zu werden. Solche Verletzungen gibt es beim Brennen nicht.

Ungeklärt sind auch die Wege des Mikrochips im Pferdekörper. Manche Chips sind nach einiger Zeit überhaupt nicht mehr aufzufinden, andere an Stellen, an denen sie nichts zu suchen haben, etwa in der Nähe des Genicks. Das kann Probleme beim Reiten geben, wenn das Pferd den Hals biegen soll. Befürworter weisen darauf hin, das im Trab- und Galopprennsport schon seit Jahren alle Pferde gechippt werden, Verletzungen seien sehr selten. Das bestreiten auch die Befürworter des Heißbrands nicht. Sie möchten nur die Wahl haben.

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