Insekten Mit dieser Maschine wollen Forscher die Mückenplage bekämpfen

Die starken Niederschläge und sommerlichen Temperaturen haben an vielen Orten in Deutschland eine Mückenplage zur Folge.

(Foto: Jochen Lübke/dpa)

Eine vollautomatische Falle will das Zählen von Stechmücken erleichtern - und sie dadurch bekämpfen. Schon bald könnten sogar gezielt einzelne Arten gefangen werden - zum Beispiel Tiere mit dem Zika-Virus.

Von Kai Kupferschmidt

Das Mückenzählen ist eine mühsame Aufgabe. Das weiß Catherine Pruszynski nur allzu gut. Die Biologin bekämpft die Blutsauger im Auftrag der Bevölkerung von Monroe County in Florida. Jeden Morgen schwärmen 16 ihrer Mitarbeiter aus, um die Aktivität der Stechtiere im Landkreis zu ermitteln. Dafür begeben sie sich an insgesamt 266 Standorte in der Natur und zählen eine Minute lang, wie viele Mücken auf ihnen landen.

Das mag altmodisch klingen, ist aber nach wie vor die übliche Methode, Mückenaktivität zu messen. Nur wenn die Zahl der Insekten an einem Ort ansteigt, darf Pruszynski Flugzeuge mit Insektenvernichtungsmittel losschicken oder andere Maßnahmen ergreifen, um die Mücken zurückzudrängen. Außerdem erlauben es die Zählungen, zumindest abzuschätzen, ob die Bekämpfung erfolgreich war. Die Methode hat allerdings eine Menge Nachteile: Zum einen ist sie ungeheuer zeitintensiv. Die Inselkette der Florida Keys gehört in Pruszynskis Zuständigkeitsbereich.

In Zukunft können die Geräte vielleicht sogar verschiedene Arten unterscheiden

Um zu mancher Zählstation zu gelangen, müssen Mitarbeiter ein Boot nehmen, andere Messpunkte liegen am Ende einer 45-minütigen Wanderung durch den Wald. Hinzu kommt, dass die Ergebnisse an verschiedenen Orten sich schlecht vergleichen lassen, weil die Messungen nicht gleichzeitig gemacht werden können und nicht alle von der gleichen Person. "Unterschiedliche Menschen sind unterschiedlich attraktiv für Mücken", sagt Pruszynski. "Das ist eine sehr ungenaue Messmethode, aber es ist die einzige, die wir im Moment haben."

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Das könnte sich bald ändern. Zurzeit testet die Biologin ein neues Verfahren: eine moderne Falle, welche die Blutsauger den ganzen Tag über fängt, zählt und die Ergebnisse an eine Webseite schickt, wo sie online abrufbar sind. Die Falle namens BG Counter hat die Firma Biogents in Regensburg entwickelt. Das Gerät wird von Solarzellen mit Energie versorgt. Ein Strom von Kohlendioxid lockt Mücken an, die dann von einem Ventilator in die Falle gesogen werden.

Dabei fliegen sie durch eine Infrarot-Lichtschranke, die die Insekten zählt. Durch ihre Größe und das Muster, das ihr Flügelschlag erzeugt, lassen sich Mücken relativ gut von anderen Tieren unterscheiden, sagt Martin Geier von Biogents. Das Ergebnis kann zwar zehn bis 20 Prozent von der tatsächlichen Mückenzahl abweichen, sagt er. "Aber wenn Sie einen Fangsack mit 500 Mücken haben, und das zählt ein Mensch, dann ist das auch nicht ganz genau." Die Falle könnte die Mückenüberwachung billiger und besser machen, glaubt Geier. "Momentan wird das zu wenig gemacht, weil es eben so teuer und so aufwendig ist."

"Dieser extreme Anstieg, das sind Überschwemmungsmücken"

Biogents ist nicht die einzige Firma, die an einer automatisierten Mückenfalle arbeitet. So hat der Technik-Riese Microsoft in der vergangenen Woche einen Prototypen enthüllt, der zurzeit in Texas getestet wird. Auch diese Falle unterscheidet Insektenarten anhand der Muster ihres Flügelschlags. Microsoft möchte künstliche Intelligenz nutzen, um das Verfahren weiter zu verbessern. Ziel ist es, die Falle so zu programmieren, dass sie nur noch eine bestimmte Mückenart fängt. Im Labor können Forscher dann untersuchen, ob die Tiere Viren wie etwa den Zika-Erreger tragen. Möglicherweise lässt sich so die Gefahr neuer Krankheitsausbrüche in Zukunft früher erkennen.

Die neuen Fallen könnten Biologen auch helfen, mehr über das Verhalten von Mücken zu lernen. Biogents hat Mitte Juni eine Falle am Rand des Starnberger Sees aufgestellt. Nach einigen Tagen mit wenigen Mücken explodierten die Zahlen am 22. Juni regelrecht. "Dieser extreme Anstieg, das sind Überschwemmungsmücken", sagt Geier. "Das geht von einem Tag auf den anderen, so wie es im Lehrbuch steht." Doch Pruzynski geht es vor allem darum, die Tiere loszuwerden. "Mit der Falle sparen wir enorm viel Zeit", sagt sie. "Die können wir dann nutzen, um Mücken anderweitig zu bekämpfen, etwa um Larven aufzuspüren." Und weniger gestochen werden ihre Mitarbeiter auch.

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