bedeckt München 19°

Indien:Biologie trifft Elektronik

Nobelpreis-Beilage

Biomaterialien für die Wundheilung erforscht Shrikrishnan Sankaran am Leibniz-Institut für Neue Materialien in Saarbrücken. Deutschland will der Wissenschaftler in nächster Zeit treu bleiben.

(Foto: privat)

Von Felicitas Witte

"Indien ist ein geniales Land für Forscher", schwärmt Shrikrishnan Sankaran. Das Land sei wie ein eigener Kontinent, man könne ständig seinen Horizont erweitern. Für ihn als Inder sei aber klar gewesen, dass er aus seinem Land rausmüsse. "Ich wollte sehen, wie in anderen Ländern geforscht wird. Außerdem ist es wichtig, sein Netzwerk weltweit auszubauen."

Nach dem Bachelor und Master am Birla Institute of Technology & Science in Goa sucht Shrikrishnan einen Forschungsplatz, der seine beiden Vorlieben Elektronik und Biologie kombiniert. An der Universität Twente im niederländischen Enschede wird er schließlich fündig. "Die Arbeitsgruppe an der Uni dort kombinierte supramolekulare Chemie mit Biologie und Elektrochemie. So konnte ich die Fähigkeiten anwenden, die ich schon kannte und einiges dazulernen", erzählt der heute 29-Jährige. Außerdem hatte er gehört, dass die Niederländer Fremden gegenüber sehr freundlich seien und dass die meisten Englisch sprächen. Seine Eltern hätten ihm schon immer geraten, aus der Komfortzone herauszukommen. Ein Mangel an Geld brauche dabei keine Hürde zu sein: "Egal ob in Indien oder in Europa: Als Doktorand bekommt man meist ein Stipendium und einen Zuschuss für die Lebenshaltungskosten", erzählt er. In Indien wird die Forschung ähnlich finanziert wie in Europa. Es gibt nationale Finanzierungsstellen, staatliche Agenturen, die Industrie. Auch die Unis haben ihre eigenen Budgets.

Shrikrishnan ist Europa treu geblieben. Er forscht am Leibniz-Institut für Neue Materialien in Saarbrücken an Biomaterialien, die man zum Beispiel zur Wundheilung einsetzen kann. Nach ersten großen Erfolgen in der Grundlagenforschung hätten sich Indiens Forscher zu lange auf diese konzentriert. "Das hinderte leider viele daran, über etwas anderes zu forschen." Schrittweise habe sich das nun geändert. Er könnte jetzt einen interessanten Job in Indien finden. Doch im Moment steht Deutschland ganz oben auf seiner Liste.

© SZ vom 29.06.2017
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB