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Hirnforschung:Wie Träume entstehen

Wir lernen auch im Tiefschlaf, indem unser Gehirn Erfahrungen nochmal durchspielt. Und das, vermuten US-Forscher, lässt uns träumen.

In nahezu jeder Liste der "größten Rätsel der Wissenschaft" taucht das Thema Träume auf. Wozu sind sie gut? Wodurch entstehen sie?

Schlaf, ddp

Träume sind eine Folge jener Gehirnaktivitäten, die es auch ermöglichen, buchstäblich im Tiefschlaf zu lernen.

(Foto: Foto: ddp)

Hypothesen dazu gibt es viele, aber wenig gesicherte Erkenntnisse. Nun haben Forscher um Robert Stickgold von der Harvard University zumindest auf die Frage nach der Entstehung von Träumen eine Antwort gefunden.

Ihrer Studie zufolge sind Träume eine Folge jener Gehirnaktivitäten, die es auch ermöglichen, buchstäblich im Tiefschlaf zu lernen ( Current Biology, online).

Stickgold ließ seine Probanden ein Computerspiel üben, bei dem sie möglichst schnell ein Labyrinth durchqueren sollten. Im Anschluss saß ein Teil der Probanden untätig herum oder schaute Videos, die andere Hälfte durfte eineinhalb Stunden lang schlafen.

Vier Probanden aus der Schlaf-Gruppe berichteten anschließend von Träumen, die sich auf die vorangegangene Übung bezogen. Beispielsweise hatten die Schlafenden im Traum die Musik des Computerspiels gehört, oder sie sahen sich in einem Höhlensystem gefangen.

Die Messungen der Forscher zeigten, dass die Probanden all dies während der Tiefschlafphase geträumt hatten.

Wer vom Computerspiel träumte, schnitt besser ab

Dreieinhalb Stunden später wurden alle Studienteilnehmer erneut ins virtuelle Labyrinth geschickt. Jene vier Probanden, die von dem Computerspiel geträumt hatten, schnitten deutlich besser ab als zuvor.

Alle anderen Teilnehmer, egal ob sie geschlafen hatten oder nicht, hatten sich hingegen nur wenig verbessert.

Im Tiefschlaf spielten die Neuronen die Trainingssituation noch einmal nach, dadurch erhöht sich die Gedächtnisleistung. Die Träume während der Tiefschlafphase seien eine Folge dieser Reaktivierungen, sagt Stickgold.

Der Schlafforscher Jan Born von der Universität Lübeck hält Stickgolds Studie für bedeutsam, weil sie trotz geringer Probandenzahl "Hinweise auf die Ursache von Träumen liefert".

In bisherigen Studien wurden Träume meist nicht während des Tief-, sondern des sogenannten Rem-Schlafes untersucht. Es sei ein großes Verdienst von Stickgolds Studie, dass er die Träume seiner Probanden im Tiefschlaf untersucht habe, da es aus dieser Phase bislang wenige Daten gebe, sagt Born.