Frage der Woche:Wie groß ist das optimale Team?

Lesezeit: 2 min

Kommt Ihr Team zu keiner Entscheidung? Vielleicht zählen Sie mal durch. Grund zur Sorge besteht, wenn Sie auf acht oder mehr als 20 kommen.

Berit Uhlmann

Diese zähe Ringen, dieses Tänzeln vor zum Kompromiss und zurück in die Sackgasse - müssen Verhandlungen so verlaufen? Unter Umständen ja, sagen zumindest drei österreichische Wissenschaftler. Ihren Erkenntnissen nach wird die Entscheidungsfindung innerhalb einer Gruppe mit hoher Wahrscheinlichkeit immer dann schwierig, wenn das Team eine ungünstige Größe besitzt.

Frage der Woche: Verhandlungen können ermüdend verlaufen, davor sind auch die Politiker auf dem Asia Europe Meeting nicht gefeit.

Verhandlungen können ermüdend verlaufen, davor sind auch die Politiker auf dem Asia Europe Meeting nicht gefeit.

(Foto: Foto: dpa)

Die Wissenschaftler um Peter Klimek von der Medizinischen Universität Wien befassen sich mit komplexen Systemen und simulierten Entscheidungsfindungen in Gruppen am Computer. Jedes Gruppenmitglied wurde durch einen Knoten in einem Netzwerk symbolisiert und bekam per Zufall eine Meinung zugeteilt: 0 oder 1. Während des simulierten Entscheidungsprozesses checkte jedes Teammitglied die Ansichten seiner Umgebung und schloss sich der vorherrschenden Meinung an. Nach einigen Durchgängen entschieden sich dann im günstigen Fall alle Kollegen für die gleiche Option.

Dieser günstige Fall trat allerdings umso seltener ein, je größer die Gruppe war. Hatte das Team mehr als 20 Mitglieder zerfiel es immer häufiger in Untergruppen, deren Meinungen sich unversöhnlich gegenüberstanden und es kam zu keiner Entscheidung.

Reicht es also, ein Team auf maximal 20 zu begrenzen? Merkwürdigerweise nicht. Zwar fanden kleinere Gruppen in den Simulationen mit größerer Wahrscheinlichkeit einen Konsens; gab es weniger als zehn Mitglieder war die Entscheidungsfindung besonders leicht. Doch es fand sich auch eine seltsame Ausnahme: die Zahl acht. Gruppen mit acht Mitgliedern zerfielen auffällig häufig in zwei Vierergruppen, die sich nicht einigen konnten.

Eine genaue Erklärung haben die österreichischen Forscher dafür nicht, wohl aber Daten aus dem realen Leben, die das seltsame Wirken der 8 und der 20 zu stützen scheinen.

Die magischen Zahlen in der Politik

Anlass der Simulationen waren die Thesen des britischen Historikers Cyril Northcote Parkinson, der vor gut 50 Jahren in seinem "Parkinsonschen Gesetz" die bürokratische Ineffizienz beschrieben hatte. Die 20 tauchte als Grenzwert für Gruppengrößen schon in seinen Schriften auf.

Parkinson hatte sich unter anderem die Größe der britischen Regierungen angeschaut und festgestellt, dass sie innerhalb von 700 Jahren immer die gleiche Entwicklung nahm: Die Ministerriege wuchs auf knapp über 20 an, um dann drastisch verkleinert zu werden.

Dass eine solche Art Gesundschrumpfung offenbar günstig ist, zeigten die österreichischen Forscher nicht nur durch ihre Simulation, sondern auch durch einen Vergleich aktueller politischer Führungen. Sie zogen Daten von 197 Staaten heran und fanden dabei, dass die Kabinette der Industriestaaten fast ausschließlich 13 bis 20 Mitglieder haben - Deutschland beispielsweise hat aktuell 15 Minister.

Staaten mit dieser Regierungsgröße erreichen dem Vergleich der Wissenschaftler zufolge durchschnittlich sehr hohe Werte bei politischer Stabilität und Entwicklung - gemessen an den Indizes der Vereinten Nationen und der Weltbank. Staaten mit deutlich mehr als 20 Kabinettsmitgliedern sind im Schnitt deutlich weniger stabil und entwickelt.

Was die verflixte Acht angeht, war auch sie schon bei Parkinson aufgetaucht. Der Historiker hatte in den fünfziger Jahren konstatiert, dass es weltweit keine Regierung mit acht Mitgliedern gebe. Laut Klimek und seinen Kollegen ist das auch heute noch der Fall. Die Geschichte allerdings kennt ein Beispiel: König Karl I., der im 17. Jahrhundert über England, Schottland und Irland regierte, hatte acht Mitglieder im Kabinett. Er führte sein Land in zwei Bürgerkriege; Ruhe kehrte erst wieder ein, als der Monarch geköpft wurde.

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