Frage der Woche:Wetter auf Bestellung?

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Doch vor allem China setzt im großen Stil auf die Methode. Etwa 100 Millionen Dollar jährlich investiert Peking in die Maßnahmen. Selbst um Großveranstaltungen wie die Eröffnungsfeiern der Olympischen Spiele 2008 vor Niederschlägen zu bewahren, will die chinesische Regierung Flugzeuge und Silberjodid-Kanonen einsetzen. Und manche Stadt wird immer wieder gezielt dem Regen ausgesetzt, um den Smog zu bekämpfen.

Die Skepsis bleibt

Doch trotz der angeblichen Erfolge sind viele Wissenschaftler noch immer skeptisch, ob die Impfung der Wolken tatsächlich so gut funktioniert, wie behauptet wird. "Es gibt keine Überprüfungen", kritisierte kürzlich Roelof Bruintjes vom US National Center fo Atmospheric Research in Boulder, Colorado, im Fachmagazin New Scientist. "Keine wissenschaftlichen Veröffentlichungen belegen die Behauptungen (der Chinesen)."

Das wird sich bald ändern, hofft Arlen Huggins vom Desert Research Institute in Reno, Nevada. Der Forscher leitet eine Studie in den Snowy Mountains in Australien, wo seit Jahrzehnten Wolken geimpft werden, um Schneefällen vorzubeugen. Erste vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Methode funktionieren könnte, berichtete Huggins auf einer Tagung der American Meteorological Society in Westminster, Colorado.

Handfeste Daten besitzen eigenen Angaben zufolge bereits Wissenschaftler der Universität Graz. Die Forscher um Reinhold Lazar berichteten vor einiger Zeit, dass die Anzahl großer Hagelkörner in der Steiermark zurückgegangen sei, seit die Gewitterwolken von der Steirischen Hagelabwehr regelmäßig mit Silberjodid geimpft werden. Auch seien die Schäden durch Hagelkörner signifikant zurückgegangen.

Inzwischen setzen manche Wissenschaftler auch auf andere Methoden, um das Wetter zu beeinflussen. In China wird inzwischen auch Kieselgur eingesetzt, ein Mineral, dass in Regenwolken die Feuchtigkeit binden soll, statt Regen auszulösen.

Maßnahmen gegen Blitze und den Klimawandel

Selbst Blitzeinschläge sollen sich verhindern lassen, hoffen Forscher um den Genfer Physiker Jérôme Kasparian. Die Wissenschaftler haben kürzlich Gewitterwolken mit Hilfe eines mobilen Hochleistungslasers beschossen und dabei elektrische Entladungen erzeugt. In Zukunft könnten auf diese Weise möglicherweise gezielt Blitze ausgelöst werden - bevor sie zum Beispiel auf einem Flughafen Schaden anrichten.

Auch Hurrikane wollen Wissenschaftler weiterhin bekämpfen. So geht Ross Hoffman von der Firma Atmospheric and Environmental Research davon aus, dass in einigen Jahrzehnten zum Beispiel ein biologisch abbaubarer Ölfilm auf das Wasser im Entstehungsgebiet eines Sturms gelegt werden könnte. Das würde verhindern, dass von der Meeresoberfläche feuchtwarme Luft aufsteigt und einen Wirbelsturm auslöst, hofft Hoffman.

Andere Forscher wollen Wolken mit Mikrowellen aufheizen, um Tornados zu verhindern. Und selbst den "Project-Stormfury"-Veteran Joe Golden von der University of Colorado, Boulder, hat das US-Heimatschutzministerium gebeten, sich noch einmal mit der Frage zu beschäftigen, wie sich wenigstens die Richtung von Hurrikanen beeinflussen lässt.

Nicht nur um das Wetter, sondern gleich um den Klimawandel machen sich die Experten der amerikanische National Academy of Sciences Gedanken. Schließlich droht gerade in den armen Regionen der Erde eine Zunahme von Wetterextremen wie Dürren und Überschwemmungen.

Deshalb haben die Fachleute der Gesellschaft kürzlich vorgeschlagen, eine riesige Spiegel-Anlage im Weltraum einzurichten, um das Sonnenlicht zu reflektieren. Und vom niederländischen Nobelpreisgewinner Paul Crutzen stammt die Idee, Raketen mit Schwefel in die Stratosphäre zu schießen, wo das Element einen kühlenden Mantel um die Erde legen könnte. Das alles allerdings ist noch Zukunftsmusik. Und auch wenn die Eröffnungsfeiern der Olympiade in China trocken bleiben, ist nicht sicher, ob dies eine Folge der Wolkenimpfung sein wird - oder ein Entgegenkommen wohlgesonnener Wettergötter.

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