Frage der Woche Schweine-Würmer im Menschen

Eine weitere Bio-Therapie erlebte ihre Geburtsstunde, als Forscher aus Iowa entdeckten, dass Autoimmunerkrankungen wie das Darmleiden Morbus Crohn vor allem in Gebieten mit hohen Hygienestandards auftreten - eben da, wo die Menschen kaum mehr Darmparasiten haben. Diese Beobachtung brachte sie auf die Idee gezielter Wurmkuren.

Die Wahl der Wissenschaftler fiel auf die Eier des Schweine-Peitschenwurms (Trichuris suis). Dieser Parasit befällt auf natürlichem Weg hauptsächlich Schweine, im Menschendarm können seine Eier normalerweise nicht zum Wurm heranwachsen, sondern verlassen ihn nach rund zwei Wochen von allein. Diese Zeit sollte nach Ansicht der Forscher reichen, um das Immunsystem so zu stimulieren, dass die Darmerkrankung gelindert wird.

Erste kleinere Studien waren Erfolg versprechend. Von 54 Patienten, denen die Forscher aus Iowa entweder Wurmeier oder ein Placebo verabreichten, verspürte fast die Hälfte der Wurmpatienten eine Besserungen ihrer Beschwerden. In der Placebo-Gruppe waren es nur 17 Prozent.

Die Idee vom Training des Immunsystems klingt so plausibel, dass bereits Eier produziert werden und die Zulassung als Arzneimittel beantragt wurde.

Noch aber ist die Wirkung nicht zweifelsfrei nachgewiesen. Unklar ist auch, wie Patienten mit geschwächtem Immunsystem auf die Wurmeier reagieren. Zudem gibt es Befürchtungen, die Würmer könnten sich an den Mensch als Wirt gewöhnen und ihn dann nicht verlassen. Zumindest in einem Fall ist bereits ein voll ausgewachsener Schweine-Peitschenwurm im Darm eines mit Wurmeiern behandelten Patienten gefunden worden.

Fazit: Da die Studienlage nicht ausreichend ist, und mögliche Risiken nicht ausgeschlossen werden können, ist Skepsis gegenüber den Parasiten-Therapien angebracht.