bedeckt München 13°

Verhaltensbiologie:Fledermäuse benutzen Babysprache

Group of Greater sac-winged bat (Saccopteryx bilineata) hangged in a tree, photographed in the city of Cariacica/ES Copy

Sackflügel-Fledermäuse hängen in einem Baum.

(Foto: Leonardo Mercon / VWPics via www.imago-images.de/imago images/VWPics)

Wenn die Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren, wird ihre Tonlage höher - ähnlich wie bei Menschen, die mit Säuglingen sprechen.

Von Katrin Blawat

Wie wenig einzigartig viele Eigenschaften und Fähigkeiten des Menschen sind, dazu sammelt die Wissenschaft fleißig Beweise. Dabei wird sie mitunter auch fündig bei Tieren, von denen man manche Parallelen zum Menschen eher nicht vermutet hätte. Jüngstes Beispiel ist die Babysprache. Jenes hohe, auffallend verlangsamte und oft ins Quieken abgleitende Gegluckse, mit dem Erwachsene speziell zu Säuglingen sprechen. Nun zeigen zwei Biologinnen: Auch manche Fledermaus-Mütter verwenden eine Art Babysprache, wenn sie sich ihrem Nachwuchs zuwenden. Wie Ahana Aurora Fernandez und Mirjam Knörnschild von der Freien Universität Berlin und dem Berliner Museum für Naturkunde im Fachblatt Frontiers in Ecology and Evolution berichten, verändern die Weibchen der Großen Sackflügel-Fledermaus den Klang ihrer Stimme, je nachdem, ob sie mit ihren Jungen oder aber mit erwachsenen Artgenossen kommunizieren. Diese Stimmänderungen traten unter anderem dann auf, wenn Mutter und Jungtier nach einer Trennung wieder aufeinandertrafen.

Es handele sich ihres Wissens nach um den ersten - allerdings noch mit recht wenigen Daten abgesicherten - Nachweis einer solchen "Babysprache" bei Fledermäusen, schreiben die Autorinnen. Auch im übrigen Tierreich sei dieses Phänomen bislang kaum bekannt. Nur bei Zebrafinken und Totenkopfäffchen gibt es bislang ebenfalls Hinweise auf eine Art Babysprache.

Die Forscherinnen werteten Tonaufnahmen aus, die Fernandez in Fledermauskolonien in Costa Rica und Panama gesammelt hatte. Spezielle Analysen ermöglichten es, die dokumentierten Klänge in einzelne Parameter wie Tonhöhe und Klangfarbe aufzuschlüsseln.

Die Jungtiere müssen die spezifischen Lautäußerungen ihrer Kolonie einüben

Ähnlich wie es zwischen menschlichen Erwachsenen und Babys der Fall ist, waren auch die Laute der Fledermausmütter auffallend hoch, wenn sie an den Nachwuchs gerichtet waren. Komplexer zu analysieren waren die Änderungen in der Klangfarbe. Sie wird auch als "Timbre" einer Stimme bezeichnet und setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen: einem Grundton mit jeweils relativ niedriger Frequenz, den darüber mitschwingenden Obertönen und aus einer Art Hintergrundrauschen. Die Klangfarbe trägt wesentlich dazu bei, eine Stimme unverwechselbar zu machen. Dennoch wird sie - zumindest beim Menschen - von vielen situationsbedingten Faktoren beeinflusst, etwa von der aktuellen Gefühlslage. Ein gut gelaunter Mensch aktiviert seine Gesichts- und Sprechmuskeln auf andere Weise als ein verängstigter oder miesepetriger - das schlägt sich im Timbre nieder.

Untersuchungen menschlicher Eltern-Kind-Beziehungen haben gezeigt, wie universell und nützlich Babysprache ist. Vermutlich wenden Angehörige aller Kulturen sie an. Und die Babys mögen es und profitieren davon, wenn Erwachsene höher, langsamer, deutlicher und mit mehr begleitender Mimik sprechen, wie mehrere Studien gezeigt haben. Babysprache erleichtert es dem Säugling zu erkennen, wann ein Wort beginnt und endet. Wohl auch deswegen fördert sie den Spracherwerb des Kindes.

Sprechen lernen muss gewissermaßen auch der Fledermaus-Nachwuchs. Die Tiere gehören zu jenen, die die spezifische Sprache ihrer Kolonie als Kinder erst einüben müssen. Die Babysprache der Fledermausmütter war unter anderem dann zu hören, wenn die Kleinen, ähnlich wie es Babys tun, sozusagen vor sich hin brabbelten. Vielleicht liegt darin eine Funktion der Fledermaus-Babysprache: "Es wäre denkbar, dass die an Jungtiere gerichteten Lautäußerungen eine ähnliche Funktion haben wie Babysprache bei Kleinkindern: ein allgemeines positives Feedback während ihrer Babbel-Übungen", sagt Fernandez.

© SZ
Bislang keine Anzeichen für Stechmückenplage

SZ Plus
Wissenschaft
:Warum Mücken Menschen mögen

Sie vermiesen so manchen lauen Sommerabend und übertragen sogar gefährliche Krankheiten: Stechmücken können eine wahre Plage sein. Wieso haben sie es auf menschliches Blut abgesehen?

Von Julian Rodemann

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite