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Fingerlänge und Sexualverhalten:Wie Wissenschaftler aus der Hand lesen

Es klingt eigentlich absurd: Je stärker sich Ring- und Zeigefinger in ihrer Länge unterscheiden, umso aggressiver und promisker soll der Mann sein. Dass beides offenbar tatsächlich über bestimmte Hormone zusammenhängt, belegt nun eine Studie - an Mäusen.

Katrin Blawat

Je nachdem, welchen Körperteil man betrachtet, ist der Unterschied zwischen Frauen und Männern im Wortsinn nur ein kleiner. So haben Männer im Durchschnitt einen etwas längeren Ring- als Zeigefinger. Bei Frauen ist der Zeigefinger mindestens ebenso lang wie der Ringfinger.

Die große Alleinsamkeit

Das Verhältnis der Länge von Ring- und Zeigefinger korrelliert offenbar unter anderem mit dem Sexualverhalten. Dahinter stecken offenbar Sexualhormone, die sich auf beides auswirken.

(Foto: Jochen Schönfeld - Fotolia)

Aus nur wenigen Millimetern Längenunterschied wollen einige Studien nahezu ein komplettes Psychogramm des Mannes erstellen können: Je stärker sich Ring- und Zeigefinger in ihrer Länge unterscheiden, umso aggressiver, risikobereiter, promisker und erfolgreicher im Aktienhandel soll der Mann zum Beispiel sein.

Die Fähigkeit zum Kopfrechnen sowie die Neigung, an Herzkreislaufleiden und manchen Krebsarten zu erkranken, hängt offenbar ebenfalls mit dem Verhältnis der Fingerlängen zusammen.

Nun haben die Entwicklungsbiologen Zhengui Zheng und Martin Cohn von der University of Florida in einer Mausstudie bestätigt, dass Sexualhormone im Mutterleib für das unterschiedliche Längenverhältnis zwischen den Geschlechtern verantwortlich sind (PNAS, online).

Waren die Mausembryonen im Mutterleib viel Testosteron ausgesetzt, förderte dies das Wachstums ihres vierten Zehs, der dem menschlichen Ringfinger entspricht. Ein hoher Östrogengehalt hemmte hingegen dessen Entwicklung. Testosteron und Östrogene beeinflussten die Länge des vierten Zehs stärker als die des zweiten, da der vierte Zeh mehr Andockstellen für Hormone besitzt.

Ihre Studie liefere den ersten direkten Beleg für die These, dass das Längenverhältnis von Zeige- und Ringfinger bereits im Mutterleib festgelegt wird, schreiben die Forscher. John Manning von der Swansea University in Wales, der seit 13 Jahren zahlreiche Studien zur Fingerlänge bei Menschen veröffentlicht, beurteilt die aktuelle Untersuchung von Zheng und Cohn als "absolut überzeugend".

© SZ vom 06.09.2011/mcs

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