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Evolution des Menschen:Aufrecht seit 3,2 Millionen Jahren

Schon die berühmte Lucy und ihre Artgenossen liefen überwiegend aufrecht. Das belegt offenbar der Mittelfußknochen eines "Australopithecus afarensis".

Donald Johanson ist schon lange davon überzeugt, dass die Australopithecus-afarensis-Frau Lucy, die er 1974 in Hadar, Äthiopien, entdeckt hat, aufrecht gehen konnte. Ganz ähnlich wie moderne Menschen habe sie vor 3,2 Millionen Jahren auf zwei Beinen die afrikanische Savanne durchstreift.

Australopithecus afarensis

Fußknochen eines modernen Menschen und der fossile vierte Mittelfußknochen eines Australopithecus afarensis. Die Ähnlichkeit ist so groß, dass einige Wissenschaftler darin den Beleg für eine frühe Entwicklung des aufrechten Ganges sehen.

(Foto: Kimberly A. Congdon, Carol Ward, Elizabeth Harman)

Bestätigt durfte sich der Forscher von der Arizona State University, Tempe, bereits fühlen, als in Laetoli, Tansania, einige etwa 3,6 Millionen Jahre alte Fußspuren entdeckt wurden. Und schließlich sprachen Teile eines 3,3 Millionen Jahre alten Skeletts eines dreijährigen Australopithecus-Kindes ebenfalls dafür.

Doch was noch fehlte, waren Fußknochen, die ganz klar belegen, dass sich Australopithecus afarensis überwiegend auf zwei Beinen, und nicht mehr in den Bäumen bewegte. Bis jetzt.

Gemeinsam mit Johanson und dessen Kollegen William Kimbel hat die Paläoanthropologen Carol Ward von der University of Missouri in Columbia den Mittelfußknochen eines Artgenossen von Lucy vorgestellt.

Wie die Forscher im Fachmagazin Science berichten, belegt die Form des Knochens aus dem ostafrikanischen Grabenbruch in Äthiopien eine große Ähnlichkeit mit dem entsprechenden Knochen im Fuß moderner Menschen. Als einziger lebender Primat hat der Homo sapiens gewölbte Füße. Bei Menschenaffen sind die Füße dagegen flexibel und mit einem extrem mobilen großen Zeh versehen, so dass sich die Tiere gut an Ästen festklammern können.

Der neue Fund zeigt nun, dass auch Lucys Artgenossen im Verhältnis zu Menschenaffen schon gewölbte Füße hatten. Denn der Mittelfußknochen, der den Übergang von der Fußwurzel zu den Zehen bildet, fällt nach vorne hin deutlich ab.

"Gewölbte Füße sind eine Schlüsselelement des menschenartigen Gangs, denn sie federn Stöße ab und bilden zudem eine feste Grundlage, so dass wir uns mit ihnen abstoßen und vorwärts bewegen können", sagt Studienleiterin Ward. "Aber damit konnte man den großen Zeh nicht mehr zum Umklammern von Ästen verwenden", erläutert die Anatomin. "Unsere Vorfahren hatten das Leben in den Bäumen endgültig aufgegeben, um auf dem Boden zu leben."

Der Vorteil: Bei Bedarf konnten die menschlichen Ahnen damals die Wälder verlassen, um etwa in Steppen oder Savannen nach Nahrung zu suchen. "Für unsere Vorfahren waren Fußwölbungen schon genauso wichtig wie für uns", sagt Ward.

Interessant ist diese Annahme auch deshalb, weil sich demnach zumindest beim Australopithecus afarensis der aufrechte Gang entwickelt hatte, bevor diese Hominiden ein großes Gehirn besaßen.

Nicht alle Fachleute sind überzeugt davon, dass der Streit zwischen den Paläoanthropologen nun beendet ist. Wie Will Harcourt-Smith vom American Museum of Natural History in New York City auf dem Newsportal der American Association for the Advancement of Science, ScienceNow, erklärt, beweise eine Biegung des vierten Mittelfußknochens noch nicht, dass auch die weiter innen liegende Fußsohle gewölbt war. Dort aber wäre diese Eigenschaft am wichtigsten.

Auch Lucys Finger und Zehen waren stärker gebogen als die moderner Menschen und ihre Schulter ähnelte derjenigen von Affen - Merkmale, die nützlich sind fürs Klettern, stellt Harcourt-Smith in ScienceNow fest.

© sueddeutsche.de/dpa/dapd/dmo
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