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Elefanten:Zum Abschuss freigegeben

Erstmals seit 1994 lässt Südafrika wieder Elefanten jagen - die Tiere haben sich nach Angaben der Behörden zu stark vermehrt. Auch manchen Umweltschützern leuchtet das ein.

Afrikanische Elefanten werden bis zu 6000 Kilogramm schwer und 3,30 Meter hoch. Aus Sicht eines Menschen mögen die Tiere schwerfällig erscheinen. Trotzdem sind sie viel leichtfüßiger unterwegs als der Homo sapiens: Elefanten können bis zu 38 Kilometer in einer Stunde rennen - doppelt so schnell wie ein Weltklasse-Marathonläufer.

Mancherorts gibt es bereits wieder viele Elefanten.

(Foto: Foto: dpa)

So manchem Tier in Südafrika wird das aber nichts mehr nützen. Es wird dem Tod nicht entrinnen, wenn die Regierung am 1. Mai das Abschussverbot für Elefanten aufhebt. Begründet wird die Jagdfreigabe mit der wachsenden Elefanten-Population: Die Tiere pflanzen sich derart gut fort, dass sie zur Bedrohung für ihre Umwelt werden.

In den vergangenen 14 Jahren haben sich die Elefanten in Südafrika von 8000 auf 18.000 Exemplare vermehrt. Immerhin frisst ein Elefant pro Tag bis zu 200 Kilogramm Pflanzen und Baumrinde. Da ist es kein Wunder, dass Futter und Wasser knapp werden.

Nun weiß sich die Regierung in Pretoria nicht mehr anders zu helfen, als den Schützen freie Bahn zu lassen. Allerdings soll das Töten nur das letzte Mittel sein, wenn die Wildhüter die Überpopulation der Elefanten nicht durch das Umsiedeln in andere Regionen oder durch das Verabreichen von Verhütungsmitteln in den Griff bekommen.

"Uns tut jeder Elefant leid, der erschossen wird", sagt Volker Homes, Artenschutzexperte bei der Naturschutzorganisation WWF in Deutschland. Südafrika müsse aber auf die Überpopulation reagieren, sagt er. Sonst würden die Tiere bald elend verhungern und verdursten.

Dass die südafrikanische Regierung zwei Jahre vor der Fußballweltmeisterschaft das Abschussverbot aufhebe und einen Imageverlust bei den Touristen in Kauf nehme, zeige, wie groß die Not sei.

In fast allen Ländern des südlichen Afrikas haben sich die Elefanten in den vergangenen Jahren stark vermehrt. Die Regierungen haben Schutzzonen für die Jumbos geschaffen, und sie verfolgen Wilderer, die es auf das Elfenbein der Stoßzähne abgesehen haben, mit aller Härte.

Anders sieht es in West- und Zentralafrika aus. Im Westen des Kontinents existieren kaum noch Elefanten, weil dort die Wälder abgeholzt wurden, in denen die Tiere lebten. In Zentralafrika wurden die Dickhäuter Opfer der Bürgerkriege. Die Menschen haben sie geschlachtet, um das Fleisch zu essen und mit dem Erlös aus den Stoßzähnen Waffen zu finanzieren.

Die meisten afrikanischen Elefanten sind in Botswana zu Hause, und es werden dort jährlich fünf Prozent mehr. "In manchen Regionen haben die Elefanten an jedem zweiten Baum die Rinde abgefressen. Diese Bäume sterben", berichtet Naturschützer Homes. Trotzdem hat sich die Regierung in Gaborone noch nicht getraut, das Abschussverbot aufzuheben. Auch in den übrigen Hauptstädten im südlichen Afrika ist man noch zögerlich. Die Politiker fürchten um ihren guten Ruf bei den Urlaubsgästen.

Großwildjagd gegen Entwicklungshilfe

Trotz des generellen Abschussverbots für Elefanten in Afrika erlauben einige Länder in eingeschränktem Maß die Trophäenjagd. Die Schützen kommen meistens aus Europa, Asien oder den USA. Sie dürfen die Elefanten jagen und das Elfenbein mitnehmen. Dafür bezahlen sie mehrere tausend Euro.

Das Geld bekommt die lokale Bevölkerungfür den Bau von Schulen, Straßen oder Brunnen. "So lernen die Einheimischen, dass sie den Bestand ihrer Elefanten pflegen müssen, weil sie davon leben", erzählt Homes. Der WWF halte solche Projekte für sinnvoll, wenn die Abschussquoten die Elefanten auf Dauer nicht gefährdeten. In Botswana dürfen die Trophäenjäger in diesem Jahr 300 Elefanten erlegen, in Südafrika sind es 100, in Namibia 90.

Der kommerzielle Handel mit Elfenbein ist seit 1989 verboten. Das beschlossen die 171 Mitgliedsländer der Washingtoner Artenschutzkonferenz. Sie wollten den skrupellosen Elfenbeinjägern das Handwerk legen, die dem afrikanischen Elefanten beinahe den Garaus gemacht hätten. 100.000 Tiere starben jährlich durch illegale Jäger. Heute sind es noch 20.000.

Botswana, Südafrika, Namibia und Simbabwe dürfen nun aber einmalig mit Genehmigung der Artenschutzkonferenz das Elfenbein exportieren, das sie bis Ende 2007 angesammelt haben. Es stammt von verendeten Tieren. Weil die Zahl der Elefanten in den Ländern so rasant gestiegen ist, sind die Lager voll. Japan und China wollen die Stoßzähne kaufen. Denn die Asiaten lieben Siegel und Schmuck aus Elfenbein über alles.

© SZ vom 28.02.2008/mcs
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