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Ehec-Warnungen:Besonnenheit statt Hysterie

Kommt er im Salat, in Gurken oder doch in den Sprossen vor? Wenig ist bislang auf der Suche nach dem gefährlichen Ehec-Erreger sicher - außer, dass die Wissenschaftler mit Hochdruck versuchen, Antworten zu finden. Mit kollektiver Panik und Verunsicherung lassen sie sich jedenfalls nicht erzwingen.

Charlotte Frank

Die Deutschen sind nahezu unerschütterlich in ihrem Glauben an das Prinzip der Vorbeugung und an die Macht der Medizin. Den Triumph des Menschen über gefährliche Bakterien nehmen sie als selbstverständlich hin. Sollte doch einmal ein Keim bedrohlich werden, so halten sie sofortige Lösungen für ebenso selbstverständlich.

EHEC-Spur fuehrt nach Luebeck

Was löst die gefährlichen Darminfektionen aus? Eine Wissenschaftlerin entnimmt von einem Fertignährboden eine Probe, um sie auf Ehec-Erreger zu untersuchen.

(Foto: dapd)

Der Ehec-Erreger zerstört diese Selbstverständlichkeiten: Plötzlich gibt es keine schnellen Lösungen, weder zum Schutz der Kranken noch zum Schutz der Gesunden. Plötzlich gibt es Tote. Plötzlich ist der Mensch machtlos. Er kann in dieser Situation nur eins tun: ruhig bleiben. Panik hilft jetzt nicht weiter.

Menschen sind gestorben, Menschen liegen auf Intensivstationen, Menschen fürchten um Angehörige und Freunde. Ohne ihr Leid kleinzureden, so muss es doch in Relation gesetzt werden: Auch wenn die Zahl der Ehec-Infizierten zunimmt, so ist doch die Gefahr für den Einzelnen, von dem Erreger dahingerafft zu werden, eher gering.

Jeder will sich schützen, das ist normal. Es geht diesmal nicht um ekelhafte Würmer im Fisch oder um Ratten im Dönerfleisch - es geht um Menschenleben. Natürlich will jeder wissen, ob er nun durch den Verzehr einer Sprosse, einer Gurke oder vielleicht eines Wurstzipfels bedroht ist. Sicher ist nichts - nur, dass Wissenschaftler mit Hochdruck daran arbeiten, diese Frage zu beantworten.

Doch Antworten lassen sich nicht erzwingen, auch nicht mit kollektiver Panik. Die hilft niemandem, am wenigsten den Kranken. Sie brauchen jetzt Besonnenheit und Kraft statt Hysterie und Verunsicherung. Alle Verantwortlichen, in den Kliniken, in der Politik und in den Medien, sollten sich dessen bewusst sein.

© SZ vom 06.06.2011/cag

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