Entwicklung von neuen BHs Verpackungskunst aus dem 3D-Drucker

  • BH-Hersteller ignorierten bisher, dass die weibliche Brust durchschnittlich immer größer wird.
  • Frauen mit großen Brüsten bekommen oft gesundheitliche Probleme.
  • Ein Start-up aus den USA arbeitet an einem BH aus dem 3D-Drucker.
Von Kathrin Werner

Mit Männern könne man über Büstenhalter nicht sprechen. "Sie verwandeln sich in kichernde Teenager, es ist anstrengend", sagt Laura West. "Frauen dagegen verstehen das Problem sofort. Für viele von uns sind BHs eine der großen Plagen unserer Existenz." Sie drücken und kratzen, sie rutschen und schneiden ein. Und vor allem sind sie zu klein. West, Industriedesignerin aus dem US-Bundesstaat Pennsylvania, will das ändern: mit einem großen, stabilen BH aus dem 3D-Drucker.

Die Nachfrage ist riesig - und sie wächst, denn Brüste werden immer größer. In nur 20 Jahren ist die durchschnittliche Körbchengröße, die Amerikanerinnen kaufen, von 75C auf 75F gestiegen. In Deutschland hat der Brustumfang laut dem Textilforschungszentrum Hohenstein Institute zwischen 1994 und 2009 um 2,3 Zentimeter zugenommen. Das liegt zu einem kleinen Teil an Brustvergrößerungen. Vor allem schuld daran ist aber die Ernährung: Dickere Frauen haben größere Brüste. Fast zwei Drittel aller Amerikanerinnen sind übergewichtig, die Zahlen haben sich seit den Siebzigerjahren mehr als verdoppelt. Aber auch Hormone in Nahrungsmitteln oder das frühe Einnehmen der Anti-Baby-Pille spielen eine Rolle, heißt es bei der Betriebskrankenkasse VBU.

"Wir sind das Ganze wie Ingenieure angegangen"

Dass die sich mit dem Thema beschäftigt, hat einen Grund: Frauen mit großen Brüsten bekommen oft Rückenschmerzen, Verspannungen im Nacken oder Entzündungen unter der Brust. Besonders wenn sie einen falschen BH tragen, was häufig vorkommt - auch weil Frauen sich für große Größen schämen.

Die Büstenhalter-Industrie interessiert sich kaum für Frauen mit großem Busen, entsprechende Größen sind schwer zu finden. Mehrere Start-ups haben das Feld nun für sich entdeckt, in Deutschland zum Beispiel Sugarshape, in den USA hat Laura Wests Start-up Trusst bislang kaum Konkurrenz. "Die Designer der Massenhersteller arbeiten immer auf Grundlage von maximal 75C", sagt die 24-jährige Gründerin. "Die wollen eben, dass die Teile niedlich aussehen. Wir sind das Ganze eher wie Ingenieure angegangen." West hat Kapital auf der Internetplattform Kickstarter eingesammelt, binnen weniger Tage kamen fast 80 000 Dollar zusammen.

Plastikzacken, die die Brust zusätzlich stützen

Der BH aus Pennsylvania ist schwarz oder hautfarben und hat ein bisschen Spitze, aber das Wichtigste ist unsichtbar: der Unterbau. "Wir nennen ihn auch den Panzer unter den Büstenhaltern", sagt West. Mit einem 3D-Drucker hat sie mehr als 300 Konstruktionen getestet. Statt Draht hat sie eine stabile Plastikform unter die Körbchen eingenäht. Sie ist etwa zwei Zentimeter breit und hat zusätzliche Plastikzacken, die vom unteren Rand bis in die Mitte der Körbchen gehen und 80 Prozent des Gewichts der Brust stützen. Das soll die Schultern entlasten und das Gewicht auf die Rumpfmuskulatur verlagern.

Trusst beginnt gerade mit der Massenproduktion, vom kommendem Frühling an erhalten die ersten Kundinnen ihre Bestellungen, für 100 bis 130 Dollar pro Stück. "Männer denken, dass große Brüste toll sind", sagt West. "Aber für Frauen stimmt das nur, wenn man sie richtig verpackt."

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