Bewässerung mit Abwasser Heikle Praxis

In vielen Regionen der Welt ist Wasser knapp. Felder müssen deshalb häufig mit Abwasser bewässert werden. Die Gesundheitsrisiken dieser Praxis sind enorm.

Von Barbara Galaktionow

Angesichts knapper Wasservorkommen werden in ärmeren Ländern in der Landwirtschaft gerade in städtischen Gegenden immer häufiger Abwässer zur Bewässerung von Nahrungsmittelpflanzen verwendet. Diese Praxis kann durchaus Vorteile mit sich bringen, birgt aber auch ein enormes gesundheitliches Risiko.

In vielen Regionen der Welt ist Wasser knapp - Felder müssen deshalb häufig mit Abwasser bewässert werden.

(Foto: Foto: dpa)

Das zeigt eine Studie, die das in Sri Lanka ansässige Institut für Internationales Wassermanagement (IWMI) aus Anlass der Weltwasserwoche in Stockholm veröffentlicht hat. Das IWMI untersuchte in 53 Städten in Entwicklungsländern, wieviel Abwasser in der urbanen Landwirtschaft genutzt wurde und in welchem Ausmaß es aufbereitet wurde.

80 Prozent der Städte nutzen demnach Schmutzwasser zur Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen, das nicht ausreichend behandelt wurde, berichtet BBC News. Bereits jetzt soll nach Schätzungen etwa ein Fünftel aller der Nahrungsmittel auf der Erde in städtischen Gebieten heranwachsen, wie die Wissenschaftsseite newscientist.com meldet.

Die Bewässerungsmethode birgt große gesundheitliche Risiken. Mit dem Abwasser gelangten Krankheitserreger in die Nahrungskette und Epidemien könnten sich ausbreiten, sagte Liqa Raschid-Sally vom IWMI.

Verbesserung statt Verbot

Wenn diese Praxis immer mehr um sich greife und immer mehr Menschen Lebensmittel äßen, die auf diesem Weg produziert würden, müsse mehr über Schwermetalle und andere Schadstoffe im Abwasser nachgedacht werden, forderte IWMI-Chef Colin Chartres der BBC zufolge.

Die beste Antwort auf die gängige Praxis sei jedoch nicht, sie zu verbieten, sondern sie zu verbessern, sagte Chartres laut newscientist.com. "Idealerweise sollte das Wasser am Ende soweit behandelt werden, dass kein Risiko mehr vorhanden ist, aber die meisten Entwicklungsländer es sich leisten können", sagte Chartres der BBC.

So könnten die Risiken bereits durch eine Reihe simpler Maßnahmen reduziert werden, wie die Trennung des industriellen Abwassers von dem in Haushalten produzierten oder die Zwischenlagerung in Auffangbecken, wo Festkörper und Würmer aufgefangen werden könnten. Zudem sollten die so produzierten Gemüse vor dem Verkauf mit frischem Wasser gewaschen werden.

Angesichts steigender Nahrungsmittelpreise und wachsender Sorgen über Wasserknappheit hoben die Verfasser der Studie nämlich auch hervor, dass die Verwendung von Abwasser zur Bewässerung durchaus auch Vorteile bringt. Die Methode ermögliche es, auch an Orten Lebensmittel herzustellen, wo es wenig Wasser oder kein frisches Wasser gebe, sagten sie laut BBC.

Durch die Verwendung von Abwasser würden zudem Nährstoffe wiedergewonnen. Außerdem müssten die Bauern sich keine Gedanken mehr über Dünger machen: sie bekämen ihn in Form von menschlichen Fäkalien frei geliefert, heißt es auf newscientist.com.

Eine Art Umweltservice

Auch für die Umwelt soll die Methode Vorteile bergen: "Wenn das Wasser einfach in einen Fluss gelangte, würde es stromabwärts weitaus größere Probleme verursachen", sagte Chartres der BBC zufolge. Die Verwendung der Abwässer stelle daher auf eine Art auch einen "ökologischen Service" dar, bei dem Teile des Wassers gereinigt und Mineralstoffe zurückgewonnen würden.

Die Forscher forderten daher, die internationale Gemeinschaft müsse Praktiken entwickeln, mit denen die gesundheitlichen und ökologischen Risiken gemindert und zugleich die Vorteile erhalten werden können.

Die Bewässerung mit Schmutzwasser ist laut ISMI weit verbreitet und keineswegs auf die ärmsten Länder beschränkt. Besonders häufig findet man die Praxis in Asien, etwa in China, Indien und Vietnam, aber auch in der Umgebung nahezu jeder afrikanischen Großstadt sowie in Lateinamerika. In Ermangelung sauberen Wassers soll die bedenkliche Bewässerungsmethode für viele Menschen die einzige Möglichkeit zum Anbau von Gemüse oder Getreide sein.

Zur Weltwasserwoche sind etwa 2500 Wissenschaftler, Politiker und andere Delegierte aus 140 Ländern nach Stockholm gereist. Sie beraten bis kommenden Samstag über eine sinnvolle Nutzung der weltweiten Wasservorräte.

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