Belize:Archäologen finden rätselhafte Maya-Grabkammer

Belize: Tempelanlage von Xunantunich

Tempelanlage von Xunantunich

(Foto: Thomas Shahan / Flickr / CC by 2.0)
  • In der Tempelanlage Xunantunich haben Archäologen eine Grabkammer entdeckt, in der die Überreste einer Leiche lagen.
  • Der Mann war zum Zeitpunkt seines Todes zwischen 20 und 30 Jahre alt. Es könnte sich um einen Herrscher des Stadtstaats gehandelt haben.
  • Der Bau der Anlage fällt in eine Zeit der politischen Unruhen des Maya-Reichs.

Im mittelamerikanischen Belize haben Archäologen eine reichverzierte königliche Grabkammer der Maya entdeckt. Im Inneren der Tempelanlage Xunantunich stießen die Forscher fünf bis acht Meter unter der Erdoberfläche auf eine große Kammer sowie einen Aufgang zur Oberfläche. In der Kammer lagen die Überreste eines Mannes, der zum Zeitpunkt seines Todes vor rund 1300 Jahren wohl zwischen 20 und 30 Jahre alt war. Der Mann sei "ziemlich muskulös" gewesen, sagt der Archäologe Jaime Awe von der Northern Arizona University, der die Ausgrabung leitet.

Die Identität des Toten, die Umstände des Begräbnisses und Todes sind bislang nicht bekannt. Die Grabbeigaben deuten auf einen Herrscher der untergegangenen Zivilisation hin. So entdeckten die Archäologen in der Grabkammer Jaguar-Knochen, Jadeperlen, ein Dutzend Klingen aus dem Vulkangestein Obsidian und mehr als 30 Keramikgefäße. Weitere Beigaben standen am Eingang zum Grab. Nun sollen weitere Untersuchungen folgen, um das Alter des Toten genau zu klären, und woran er genau gestorben ist.

Der Fund könnte möglicherweise helfen, die Geschichte der Maya-Stadtstaaten der Region besser zu verstehen. Bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts sind die bis zu 40 Meter hohen Ruinen von Xunantunich bekannt, seit 1924 gibt es Ausgrabungen. Doch erst jetzt fanden die Ausgräber eher durch Zufall den Eingang zum Grab, nahe einer zentralen Treppe des Tempels. Die gesamte Anlage sei in einer einzigen Bauphase errichtet worden. "Es scheint, dass der Tempel zum alleinigen Zweck errichtet wurde, das Grab zu umschließen", sagt Awe. Das ist von anderen Hochkulturen wie den Ägyptern bekannt, bei den Maya jedoch eher ungewöhnlich. Sie fügten Gräber eher im Nachhinein in existierende Anlagen ein.

Krieg zwischen den Stadtstaaten?

Es ist nicht die einzige Auffälligkeit der Stadt im Dschungel. Bisher weiß man, dass Xunantunich wohl ab dem Jahr 700 nach Christus für zwei bis drei Jahrhunderte in ihrer Blüte stand. In der Umgebung nahe der Atlantikküste gibt es eine Handvoll ähnlicher Stadtstaaten, die etwa zeitgleich florierten. Vor dem Aufschwung scheint es jedoch eine Phase der Instabilität gegeben zu haben - darauf deuten Hieroglyphen hin, die das Team um Awe kurz vor dem Grab-Fund ebenfalls in Xunantunich entdeckte.

Im Fachblatt The Pari Journal beschreibt das Team um Awe diese ominöse ein Meter hohe und eineinhalb Meter breite Tafel mit Schriftzeichen. Ähnliche Symbole fanden sie bereits in Maya-Städten der Umgebung, so zum Beispiel in Naranjo in Guatemala. Die Archäologen halten es daher für wahrscheinlich, dass die Hieroglyphen allesamt von einem einzigen Herrscher in Auftrag gegeben wurden, der damit seine Macht demonstrieren wollte. Möglicherweise war dieser Herrscher K'an II - ein König der Maya, der im siebten Jahrhundert über die berühmte Stätte Caracol 42 Kilometer südlich von Xunantunich herrschte und andere Stadtstaaten unterwarf. Rätselhaft ist: Sowohl die Symbole aus dem guatemaltekischen Naranjo als auch in Xunantunich scheinen einst Teil einer Treppe in Caracol gewesen zu sein. Auf dieser Treppe standen wohl einst, wie in einer gewaltigen Außenreklame, die Taten angeschrieben, derer sich K'an II rühmte. Doch warum tauchen Bruchstücke der Treppe später an ganz anderen Orten auf?

Eine mögliche Erklärung ist, dass Naranjo und Xunantunich einst Verbündete waren, die sich gegen Caracol erhoben und dessen Tempel plünderten. Diese Racheaktion spielte sich vermutlich im Jahr 680 ab. Nach dem Feldzug könnten die Verbündeten die feindlichen Hieroglyphentafeln mit nach Hause gebracht haben, um die verhassten Gegner zu demütigen. Die Schrifttafeln seien zudem nicht in der korrekten Syntax wieder zusammengesetzt worden, erklärt Christophe Helmke, ein Experte für Maya-Schrift von der Universität Kopenhagen. Möglicherweise begingen die Sieger die Grammatikfehler also absichtlich, um die unterlegene Stadt zu verhöhnen.

Eins sei klar, so schreiben die Forscher: "Es war ein Zeitalter der Instabilität". Zeitweilig scheint es zwei konkurrierende Königshäuser in der Region gegeben zu haben - der Bau der Tempelanlage von Xunantunich vor rund 1300 Jahren fällt wohl in diese Periode. Auf welcher Seite der Tote von Xunantunich genau stand, ist bislang allerdings unklar.

Nach dem Jahr 1000 kollabierte die Maya-Zivilisation vollständig. Die Gründe dafür sind bis heute nicht ganz verstanden, als Ursachen werden unter anderem klimatische Veränderungen oder Seuchen vermutet.

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