Das Ende der Maya Kollaps durch Klimaveränderung?

Die Hochkultur der Maya brach vor etwa 1000 Jahren plötzlich zusammen. Bis heute ist unklar, warum. Jetzt bieten Klimaforscher eine Erklärung an.

Von Sebastian Herrmann

Die Caana-Pyramide in Caracol, der größten Maya-Stadt in Belize. Warum ist das Reich der Maya vor etwa 1000 Jahren zusammengebrochen?

(Foto: Douglas Kennett, Penn State)

Die Maya haben Schätze im Urwald Mittelamerikas hinterlassen: Pyramiden, Tempel, Observatorien, Bewässerungskanäle, Sportarenen und unzählige andere Bauten. Hieroglyphen berichten von Herrschern, Kriegen sowie Aufstieg und Fall einzelner Stadtstaaten.

Die Schätze dieser Kultur begeistern Wissenschaftler - und lassen sie rätseln. Vor etwa 1000 Jahren kollabierte das Reich der Maya plötzlich.

Wie konnte es passieren, dass eine so hoch entwickelte Zivilisation binnen weniger Jahrhunderte etwa 90 Prozent ihrer Städte aufgab und dem Verfall überließ? Umweltkatastrophen, Bürgerkrieg, Invasionen von außen oder der Raubbau an der Natur?

Die wichtigsten Maya-Städte und die Yok-Balum-Höhle in Belize, Zentralamerika.

(Foto: Claire Ebert, Penn State)

Eine Arbeitsgruppe um den Geoarchäologen Douglas Kennett von der Pennsylvania State University legt nun Indizien vor, wonach Klimaschwankungen eine entscheidende Rolle gespielt haben könnten (Science, Bd. 338, S. 788, 2012).

Die Wissenschaftler analysierten einen 56 Zentimeter hohen Stalagmiten, der vom Boden der Yok-Balum-Höhle in Belize emporwächst, mittels radiometrischer Datierung, die auf dem radioaktiven Zerfall von Uran-234 zu Thorium-230 basiert. Zudem untersuchten sie das Verhältnis der Sauerstoff-Isotopen in dem Tropfstein, woraus sich ein Hinweis auf die Menge der Niederschläge in den vergangenen Jahrhunderten ablesen lässt.

Anhand der Stalagmiten in der Yok-Balum-Höhle konnten Wissenschaftler die historischen Regenmengen in Belize feststellen.

(Foto: Douglas Kennett, Penn State)

Diese und weitere Bausteine fügte die Gruppe um Kennett zu einer Klimageschichte des Reiches der Maya zusammen, die etwa 2000 Jahre in die Vergangenheit reicht und mit der sich die historischen Regenmengen teilweise bis auf einzelne Jahre genau auslesen ließen.

"Eine erstaunliche Leistung", zitiert das Magazin Science den Archäologen Arlen Chase von der University of Central Florida, der nicht an der Studie beteiligt war, in einem zusätzlichen Beitrag.

Caracol, Belize

(Foto: Douglas Kennett, Penn State)

Claire Ebert von der Pennsylvania State University lieferte die archäologischen Daten, die das Team schließlich mit dem Tropfstein-Klimaarchiv in Zusammenhang brachte. Sie suchte nach historischen Ereignissen, von denen auf Hieroglyphen in den großen Maya-Städten berichtet wird und die zugleich präzise datiert werden können.

Die Datensätze offenbarten eine auffällige Korrelation: Regenreiche Zeitabschnitte fielen in Epochen, in denen die Reiche expandierten, trockene Jahre überlappten mit Zeiten des Niedergangs.

Das Maya-Kernland erlebte demnach in den Jahren zwischen 400 und 640 nach Christus eine lange Phase mit reichen Niederschlägen. In dieser Zeit stieg die Zahl der Stadtstaaten, in denen neue Herrscher-Dynastien nach der Macht griffen. Auf diese Blütezeit folgten 340 Jahre mit mageren Niederschlägen.

Ein Fries in der Maya-Stadt Caracol. Anhand von Hieroglyphen in den großen Maya-Städten konnten Forscher historische Ereignisse datieren.

(Foto: Douglas Kennett, Penn State)

In dieser Epoche fochten die Maya vermehrt Kriege untereinander aus, und viele Herrscher ließen kostspielige und imposante Bauten errichten, um den Konkurrenten in einer zunehmend fragmentierten politischen Landschaft Zeugnisse ihrer Macht zu liefern. Im neunten Jahrhundert kulminierte die Entwicklung im politischen Kollaps des Reiches.

Um das Jahr 1000 begannen dann die trockensten etwa 100 Jahre, die sich in den Daten aus der Höhle fanden - laut den Forschern der tödliche Schlag für die Maya.

Was den Kollaps der mittelamerikanischen Zivilisation nun im Detail verursacht hat, wird auch nach dieser Studie diskutiert werden. Aber für eine Position liefern Kennett und sein Team Unterstützung: Die Veränderung des Klimas spielte eine Rolle.