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Astrophysik:Dunkel ist's im Universum

Von wegen leuchtender Sternenhimmel. Physiker vermuten, dass das Universum zu 95 Prozent aus Dunkler Energie und Dunkler Materie besteht. Die kann man nicht sehen, sie macht sich ausschließlich durch die Schwerkraft bemerkbar.

Von Marlene Weiss

Als Vera Rubin in den Siebzigerjahren an der Carnegie-Institution in Washington die Andromeda-Galaxie beobachtete, verstand sie die Welt nicht mehr. Die Galaxie schien sich nicht um die Gesetze der Physik zu kümmern, am Rand drehte sie sich viel zu schnell. Später zeigte sich, dass auch andere Galaxien so rotieren, dass Physikern übel wird. Bis heute ist die gängigste Erklärung, dass Galaxien von einer unsichtbaren Dunklen Materie umgeben sind, deren Schwerkraft alles aus dem Takt bringt.

Und es kam noch schlimmer. Ende der Neunzigerjahre merkten Physiker, dass das Universum sich immer schneller ausdehnt. Das kann man mit der sogenannten Dunklen Energie erklären. Viel Platz bleibt da aber nicht für die sichtbare Welt: Zu 95 Prozent bestünde das Universum demnach aus Dunkler Energie und Dunkler Materie. Sollte es sie tatsächlich geben, wäre die Dunkle Materie wahrhaft stockdunkel, denn sie macht sich nur oder fast nur durch ihre Schwerkraft bemerkbar. Seit Jahrzehnten suchen Physiker nach Teilchen, aus denen diese Dunkle Materie bestehen könnte, bislang ohne jeden Erfolg.

Seit Kurzem gibt es einen ganz neuen Vorschlag: Der renommierte Stringtheoretiker Erik Verlinde von der Universität Amsterdam hat eine Theorie der Gravitation entwickelt, die ohne Dunkle Materie auskommt. Allerdings sagen Fachkollegen, dass Verlindes Ideen noch sehr vage sind, kaum jemand versteht sie wirklich - auch eher eine dunkle Angelegenheit also.

Das Allerdunkelste an der Geschichte aber ist, dass Vera Rubin, 88, diese Woche verstorben, für ihre bahnbrechende Entdeckung nie den Nobelpreis bekommen hat, vermutlich, weil ein direkter Nachweis Dunkler Materie fehlt. Sie wäre erst die dritte Physik-Preisträgerin gewesen.

© SZ vom 31.12.2016

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