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Artenschutz:7000 Doller pro Kilo Elfenbein

So kostet Rohelfenbein, wie Undercover-Agenten der EIA ermittelt haben, in der südchinesischen Metropole Guangzhou im Einkauf mittlerweile bis zu 1500 Dollar pro Kilo. Geschnitzt erzielt das Weiße Gold sogar Höchstpreise von 7000 Dollar pro Kilo. Der Wilderer vor Ort, etwa in einem abgelegenen Dorf in Tansania, bekommt hingegen lediglich 20 Dollar. Es ist ein Geschäft mit minimalen Risiken und maximalen Renditen, nur noch übertroffen von den Gewinnspannen im Drogen- und Menschenhandel. Aber ähnlich gut organisiert.

Die Verbrechersyndikate nutzen heutzutage ausgeklügelte Methoden und hocheffiziente Netzwerke", sagt Rice. Für die Syndikate lohnt es sich sogar, gewaltige Summen in ihre Beziehungen zu Zoll- und Polizeibeamten zu investieren. Viele Gangmitglieder stünden zudem unter politischem Schutz. Und weil die Zwischenhändler keinen direkten Zugang zur Spitze der Kommandokette hätten, "werden die obersten Bosse praktisch nie verhaftet, angeklagt oder gar verurteilt", wie Rice sagt. "Das passiert nur den kleinen Fischen." Außerdem ändern die Banden ständig die Schmuggelrouten, um nicht entdeckt zu werden.

So exportierten sie Anfang 2011 das Elfenbein vorwiegend über die ostafrikanischen Häfen Mombasa (Kenia) und Daressalam (Tansania), eingewickelt in Plastikplanen und oft als Kunsthandwerk aus Speckstein deklariert. Schon wenige Monate später seien große Mengen von Kapstadt (Südafrika) aus verschifft worden, sagt Traffic-Mitarbeiter Thomas.

Statussymbole für den neuen Wohlstand in China

Auch auf der anderen Seite des Indischen Ozeans stellen sich die Verbrechersyndikate schnell auf neue Bedingungen ein. Nachdem immer mehr Lieferungen vom Zoll in Vietnam abgefangen wurden, nutzen sie verstärkt Malaysia als Umschlagplatz für ihre illegalen Warenströme. Auch Thailand gilt als wichtige Drehscheibe des illegalen Wildtierhandels, und das Nachbarland Burma hat sich zu einem bedeutenden Transitland entwickelt.

Doch woher kommt die Gier nach Elfenbein? "Die neue Mittelschicht in China sucht nach Statussymbolen, um ihren Wohlstand zur Schau zu stellen", sagt Mary Rice. Was passiert, wenn noch in diesem Jahrzehnt weitere 250 Millionen neureiche Chinesen auf dem Markt der gefährdeten Arten shoppen gehen, mag man sich kaum vorstellen.

Dabei geht es nicht nur um Elfenbein. Sondern auch um Rhinozeroshorn, Tigerknochen, -felle und -penisse, Haifischflossen, aber auch um Schildkröten, Schlangen und Schuppentiere, die wegen des ausufernden Handels ebenfalls vom Aussterben bedroht sind. IFAW-Chefin Grace Ge Gabriel sieht zwei verschiedene Märkte, auf die das illegale Angebot zielt. "Die einen decken damit ihren kulinarisch-medizinischen Bedarf, die andern wollen damit spekulieren, Gewinne machen." Letzteres sei ein besonders perfides Motiv. "Einer gefährdeten Art ein Preisschild umzuhängen, ist die schnellste Methode, sie auszurotten."

Es ist ein artübergreifender Teufelskreis: Je weniger Exemplare einer Spezies noch leben, umso höher steigt der Wert eines einzelnen Tieres - und der seiner Einzelteile. Das gilt auch für Rhinozerosse. Noch nie wurden in Südafrika so viele Nashörner von Wilderern getötet wie im vergangenen Jahr. 448 Tiere zählt die amtliche Statistik, darunter 19 südwestafrikanische Spitzmaulnashörner - eine Art, die unmittelbar vor dem Aussterben steht.