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25 Jahre Sandoz-Katastrophe:Weitere Chemieunternehmen gerieten in die Kritik

Doch die Empörung der Bevölkerung war enorm - das Löschwasser hatte gewissermaßen das Fass zum Überlaufen gebracht. Der Umgang der Verantwortlichen mit der Katastrophe ging sogar dem Bundeskanzler zu weit: Er habe absolut kein Verständnis für die Informationspolitik der Chemie-Manager, die in den letzten Tagen nur bruchstückhaft die Wahrheit über die Rheinzerstörung herausgelassen hätten, schimpfte Kohl. Schließlich standen im kommenden Jahr Wahlen an und die Großchemie reagierte auf die Sandoz-Katastrophe mit einer "durch nichts zu erschütternden Zuversicht in die eigene Größe", wie die Frankfurter Rundschau damals schrieb.

Hinzu kam, dass nach dem Unfall bei Basel nach und nach weitere Chemieunternehmen zugegeben mussten, dass sie Giftstoffe in den Rhein geleitet hatten oder solche bei Unfällen in den Fluss geraten waren. Zuvor hatten die Unternehmen seit 1980, als die Störfallverordnung eingesetzt worden war, ganze 14 Störfälle gemeldet. "Angesichts der jetzigen Häufung von Unfällen erscheint es mir nicht sehr wahrscheinlich, dass es lediglich diese 14 Unfälle gegeben hat", erklärte Walter Wallmann.

"Die Katastrophe bewirkte ein Umdenken in Politik und Industrie"

Da konnte auch der Hinweis die Menschen nicht mehr beschwichtigen, dass die Chemieunternehmen am Rhein seit den 70er Jahren, in denen der Fluss eine richtige Kloake gewesen war, Klär- und Filteranlagen eingebaut hatten. Endlich sah sich die Politik zum Handeln gezwungen, wenigstens gegen die Brunnenvergiftung vorzugehen.

Zwar hielt es Wallmanns Nachfolger als Umweltminister, Klaus Töpfer (CDU), später selbst für eine Dummheit, dass er bereits im September 1988 durch den Rhein geschwommen war, um die gute Qualität des Flusswassers zu belegen.

Doch, wie Umweltministerin Angela Merkel (CDU) 1996 wohl zutreffend feststellte: "Die damalige Katastrophe bewirkte ein Umdenken in Politik und Industrie. Die schon am 19. Dezember 1986 beschlossenen Sofortmaßnahmen zur Verbesserung der Rheinwasserqualität und zur Störfallvorsorge sowie das ein Jahr später verabschiedete Aktionsprogramm Rhein haben dazu geführt, dass heute wieder früher heimische Arten, wie der Lachs, im Rhein zu finden sind."

Und tatsächlich: Die Lachse sind in ihren früheren Heimatgewässern zurückgekehrt. Menschen können wieder im Rhein baden. Der Fluss ist heute sauberer als vor 100 Jahren.

Unfälle und vermutlich auch vorsätzliche illegale Einleitungen von Giftstoffen in Deutschlands Gewässer kommen noch immer vor. Auch können die Unternehmen Chemikalien in einem gewissen Umfang legal in den Rhein fließen lassen. Aber der Rhein von vor mehr als 25 Jahren ist mit dem heutigen Gewässer kaum noch zu vergleichen.