bedeckt München

Zwischen den Zahlen:Vorfahren und einfahren

Trial against former managers of Volkswagen's Audi brand in Munich

Das ist aber kein Audi... Rupert Stadler ließ sich am Mittwoch in einem Mercedes zum Gericht bringen.

(Foto: Andreas Gebert/Reuters)

Demut und Demütigung liegen vor dem Gericht nah beinander

Von Stephan Radomsky

Wäre Ferdinand Piëch noch da, der alte VW-Patriarch, man hätte am Mittwoch wohl einen seiner legendären Wutausbrüche erlebt. Da ließ sich Rupert Stadler, der ehemalige Audi-Chef und Piëch-Intimus, zum Auftakt seines Strafprozesses doch tatsächlich im Mercedes vorfahren. Im Mercedes! Stärker hätte Stadler die ehemaligen Kollegen in Ingolstadt und Wolfsburg gar nicht demütigen können.

Und er ist nicht der erste, der mit seinem Auftritt vor dem Gericht ein Signal setzen will. Der ehemalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff beispielsweise ließ sich 2014 stets von seinem Chauffeur am Landgericht Essen absetzen - im Audi. Die Botschaft: Er war längst nicht am Ende, er war noch wer. Nur einmal wollte er nun wirklich nicht gesehen werden: Nachdem er den Offenbarungseid geleistet hatte, flüchtete er vor den Fotografen vor dem Gericht - aus dem Fenster, über eine Garage auf die Straße. "Wie die Katze" sei er da raus, sagte Middelhoff kurz darauf. Er, der einstige Star-Manager, sei noch immer mit allen Wassern gewaschen, sollte das wohl heißen. Verurteilt wurde er dennoch, zu drei Jahren.

So eine Inszenierung kann aber leicht auch nach hinten losgehen. Die Drogisten-Familie Schlecker beispielsweise hatte 2017 ein Zeichen der Demut setzen wollen, nachdem Vater Anton zu einer Bewährungs- und seine Kinder Meike und Lars zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Vom Vermögen sei "nichts mehr da", hatten sie beteuert. Nur folgerichtig stiegen sie nach dem Richterspruch zwar in eine Limousine, allerdings in eine mit Taxi-Schriftzug auf dem Dach. Wie kleine Leute. Dumm nur, dass ein Fotograf ihnen folgte - bis in die Garage eines Fünf-Sterne-Hotels, wo der Schleckersche Porsche Cayenne GTS parkte, ein gar nicht kleiner Wagen im Neuwert von mehr als 90 000 Euro.

Wie Ferdinand Piëch zu dieser Publicity für eine Marke aus seinem Konzern stand, ist nicht überliefert. Gut möglich aber, dass er in diesem Fall die S-Klasse bevorzugt hätte.

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