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Zwischen den Zahlen:Der Seitensprung

Viele Banker schauen sich privat bei der Konkurrenz nach einem Kredit um. Doch nicht nur sie gehen fremd. So mancher Seitensprung ist durchaus erlaubt. Die Friseurin etwa darf sich bei der Konkurrenz die Strähnchen färben lassen.

Echte Experten können die Qualität von Produkten am besten einschätzen. Das gilt privat genau wie beruflich. Wer jeden Tag eine Butterbreze verspeist, kann genau sagen, wo sie am besten schmeckt. Und wer professionell Autos zusammenbaut, weiß am besten, bei welchem Fabrikat mit bestimmten Verschleißerscheinungen und Pannen zu rechnen ist. Bei den Bankern ist das nicht anders. Wer wenn nicht sie selbst sollte wissen, bei welcher Geldanlage die Kosten einen Großteil der Rendite auffressen und an welchem Kredit ihr Arbeitgeber kräftig mitverdient?

Insofern verwundert die Umfrage wenig, die das Kreditvergleichsportal Smava in dieser Woche veröffentlicht hat. Die Plattformbetreiber haben analysiert, welche Berufsgruppen am häufigsten nach günstigen Krediten suchen. Sie fanden dabei heraus, dass 2018 doppelt so viele Banker in privater Mission Kreditkonditionen verschiedener Anbieter verglichen haben als im Jahr zuvor. Könnte ja sein, dass für das neue Auto oder Häuschen anderswo weniger Zinsen anfallen.

Gegen einen kleinen Seitensprung im Job ist nichts einzuwenden. Im Zweifel wiegen die Interessen des eigenen Portemonnaies stärker als Loyalität mit dem Arbeitgeber. Nur erwischen lassen sollte man sich nicht. In manchen Berufen ist das gar nicht so einfach: Das weiß die Audi-Mitarbeiterin, die ihren Peugeot verstohlen in einer kleinen Seitenstraße zwei Bushaltestellen entfernt vom Werk abstellt. Oder die Friseurin, die sich lieber von der Konkurrenz als vom Chef die Strähnchen färben lässt.

Als Banker fällt das vermeintlich leichter: Einen Kredit brauche er nicht, entgegnet der untreue Mitarbeiter der Filiale auf misstrauische Fragen der Kollegin, wie er denn die neue Drei-Zimmer-Wohnung in München-Schwabing oder Hamburg-Eppendorf finanziere. Er habe dem Makler alles auf die Hand bezahlt, ganz ohne Schulden. Wie das sein könne? Er habe sein Geld einfach so gut angelegt. Ein selbstsicheres Lächeln, das sagen soll: Wir Banker wissen eben, wie das geht. Doch weil auch die Kollegin die Gebühren und Kreditkonditionen des gemeinsamen Arbeitgebers kennt, lächelt sie zurück und denkt sich ihren Teil. Sie weiß: Fremd geht der Kollege in jedem Fall. Entweder hat er klug woanders Geld angelegt - oder klug woanders Geld ausgeliehen.