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Zweiter Anlauf:Schulschließfächer mit Versicherung

Kurt-Huber-Gymnasium, Adalbert-Stifter-Platz 2 in Gräfelfing Symbolfoto Schule: Schließfächer mit Vorhängeschloss, Spind, Fach, Schrank Foto:Alessandra Schellnegger

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Dienstleister gründet eine Gesellschaft für solche Schutzbriefe. Das Geschäft hat einen lukrativen Nebeneffekt.

Von Herbert Fromme, Köln

Teure Smartphones, Sportkleidung, Fahrradhelme, Musikinstrumente und schwere Schulbücher: Viele Schüler brauchen ein Schließfach in der Schule. Was in den meisten amerikanischen Schulen selbstverständlich und kostenlos ist, wird hierzulande - wenn überhaupt - in der Regel von Dienstleistern erledigt. Die Schüler müssen dafür eine Gebühr zahlen.

Die Astra Direct Leasing und Service in Mannheim sieht sich als Marktführer mit rund 50 Prozent Anteil. Das Unternehmen hat in insgesamt 5200 Schulen und einigen Hochschulen Schließfachanlagen aufgestellt. Für etwa 25 Euro im Jahr können sich Schüler und Studenten ein Fach mieten. Die Schulen haben keine Kosten, sie erhalten für Notfälle einen Zentralschlüssel.

Jetzt hat Astra Direct eine weitere Einnahmequelle entdeckt: Die Firma versichert den Inhalt der Schließfächer. Das hat sie vor einigen Jahren schon einmal versucht, damals aber ohne Genehmigung der Finanzaufsicht Bafin. 2015 verbot die Aufsicht das "unerlaubte Versicherungsgeschäft". Jetzt hat die Firma reagiert - und selbst eine Versicherung gegründet. Die Astra Direct Versicherung AG ist mit 2,5 Millionen Euro Kapital ausgestattet und seit September 2016 von der Bafin für bestimmte Sachdeckungen und für die Krankenzusatzversicherung zugelassen.

Das erste Angebot ist - wenig überraschend - ein Schutzbrief für Schließfachinhaber, der zehn Euro pro Jahr kostet. Damit sichert Astra Direct Wertgegenstände im Schließfach bis zu 1000 Euro ab. Außerdem ist eine Auslandskrankenversicherung für Klassenfahrten enthalten.

Für die Gründung holte sich der Schließfachspezialist Experten. Vorstand Volker Altenähr ist 74 und war bis 2009 Chef bei der Süddeutschen Krankenversicherung (SDK) in Stuttgart, bevor er in Rente ging. Der zweite Vorstand Volker Schulz, 45, war bis Ende März 2015 Vorstand bei der SDK.

Alle Geschäftsvorgänge bei der Astra Direct Versicherung werden elektronisch abgewickelt, es gibt weder Vertreter oder Makler noch Provisionen. Das Unternehmen hat neben den Vorständen einen einzigen Mitarbeiter, fast alle Aufgaben sind an Dienstleister vergeben worden.

Ob sich die Schließfachversicherung lohnt, müssen Schüler und Eltern entscheiden - das hängt von dem Klima an der Schule ab und von der Tatsache, ob es schon Aufbrüche gab. Die Auslandskrankenversicherung für Klassenfahrten ist eher ein Gimmick. Die Astra Direct Versicherung dürfte mit dem Paket einen eher bescheidenen Gewinn machen. Aber damit will sich Altenähr nicht begnügen. "Wir haben die Adressen und Daten von sehr vielen Schülern und ihren Eltern, damit kann man natürlich arbeiten", sagt er. Diese Daten sind das eigentliche Gold für die junge Gesellschaft. Welche Angebote er machen will, behält Altenähr aber erst einmal für sich.

© SZ vom 08.11.2016
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