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Zeitarbeit:Schnell mal Geld verdienen

Young woman serving coffee and cake in a cafe model released Symbolfoto property released PUBLICATIO

Einmal Kaffee, bitte: Studenten jobben oft im Dienstleistungsbereich, und das häufig am Wochenende.

(Foto: Kniel Synnatzschke/imago)

Zeitarbeit hat in Deutschland keinen guten Ruf. Doch für Studierende hat diese Art der Anstellung oft Vorteile.

Charlotte Fronius war fleißig. Sechs Jahre lang jobbte sie parallel zu ihrem Studium, für drei verschiedene Unternehmen. Fest angestellt war sie allerdings nicht bei diesen Unternehmen. Denn Fronius arbeitete als Zeitarbeiterin, eine Beschäftigungsform, die inzwischen auch unter Studierenden populärer wird.

Das Prinzip der Zeitarbeit oder auch Leiharbeit lautet in etwa so: Ein Personaldienstleister übernimmt die Auswahl von Bewerbern, stellt sie ein und verleiht sie für eine begrenzte Zeit an Unternehmen. In Deutschland gibt es nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit heute knapp 900 000 Zeitarbeiter. Die Studierenden unter ihnen arbeiten dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) zufolge besonders in der Dienstleistungsbranche, etwa in der Promotion oder auf Messen.

Fronius, die ihren Bachelor im Bereich Medien und Kommunikation und ihren Master im Bereich Personalmanagement machte, arbeitete zunächst fachfremd: Sie verteilte Kundenkarten im Kaufhaus Oberpollinger und überprüfte die Flächennutzung in den Büroräumen von Kabel Deutschland. Angestellt war sie beim Kölner Unternehmen Studitemps, das sich auf Zeitarbeit für Studierende spezialisiert hat.

Die Aufgaben als Zeitarbeiterin gefielen ihr. Sie sagt: "Es war toll, wie schnell ich an Jobs gekommen bin. Zwischen meiner Bewerbung über die Studitemps-Webseite und meinem ersten Arbeitstag lagen immer nur wenige Tage." Sie habe die verschiedenen Einsätze gut mit ihrem Studium vereinbaren können. "Ich konnte auch mal abends oder am Wochenende arbeiten und war immer sehr flexibel." Mit ihrem Gehalt finanzierte sie Freizeitaktivitäten und Urlaube.

"Studierende kommen mit Zeitarbeit besser zurecht als ältere Menschen mit Familie etwa", erklärt Peter Schüren, Jurist an der Universität Münster. Für Menschen, die auf ein geregeltes Einkommen angewiesen seien, habe Zeitarbeit dagegen einige Nachteile: "Leiharbeiter bekommen fast immer weniger Lohn für die gleiche Arbeit", sagt Schüren. "Außerdem haben sie beim Personalüberlasser selten einen Betriebsrat, der sich für ihre Rechte einsetzt." Zudem sind die Einsätze als Leiharbeiter immer zeitlich begrenzt. Für Studierende kann Zeitarbeit genau aus diesen Gründen vorteilhaft sein. "Sie wollen flexibel sein und verschiedene Unternehmen kennenlernen", sagt Studitemps-Geschäftsführer Eckhard Köhn. Für die Vermittlung und Überlassung von Studierenden an Unternehmen wie Mediamarkt, die Deutsche Bahn oder NDR Media bekommt sein Dienstleister eine Provision: Verdient ein Student etwa zwölf Euro pro Stunde, bezahlt das beschäftigende Unternehmen dafür mindestens das Doppelte, also 24 Euro, an Studitemps.

Zu den größten Wettbewerbern von Studitemps gehören in Deutschland die Personaldienstleister Zenjob und Academic Work. Mit aktuell 10 000 Zeitarbeitern - über das Jahr 2018 hinweg waren es sogar 20 000 - ist die Firma Studitemps nach eigenen Angaben Marktführer in ihrem Bereich.

Bei aktuell 2,9 Millionen Studierenden in Deutschland gebe es allerdings noch "Luft nach oben", sagt Geschäftsführer Köhn. Der Lebensstandard der Studierenden steige, deshalb müssten sich immer mehr von ihnen etwas dazuverdienen und einen Job annehmen. "Unser Ziel ist es, eine halbe Million Studierende zu beschäftigen."

Ein Trend könnte Studitemps helfen: "Viele Studierende nutzen Zeitarbeit, um Praxiserfahrung zu sammeln und Unternehmen kennenzulernen", sagt Wolfram Linke vom Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen. "Häufig stellt das dann einen Erstkontakt zum späteren Arbeitgeber dar."

Charlotte Fronius wollte während ihres Masterstudiums auch Praxiserfahrung sammeln, die zu ihrem Studium passte. Also bewarb sie sich über Studitemps als Werkstudentin im Personalbereich bei Veact. Das Münchner Start-up entwickelt datenbasierte Marketingkampagnen für Automobilunternehmen, etwa für Mini und BMW. Nach ihrem Masterabschluss wurde Fronius bei Veact im Sommer dieses Jahres fest eingestellt. Während des Studiums genoss sie die Flexibilität ihrer Anstellungen als Zeitarbeiterin. Nun ist sie aber froh, einen festen Job zu haben, sagt sie.