Yanis Varoufakis Der Profi

Der griechische Finanzminister Varoufakis behauptet, dass seine Entmachtung durch Tsipras keine Entmachtung war. "Ich gebe den Ton an", bekräftigt er. Doch hört ihm noch jemand zu? Am Mittwoch musste ihn übrigens seine Frau retten - als es fast zur Prügelei kam.

Von Hans von der Hagen

"Mir träumte eine Herde von Leithammeln", sinnierte einmal der polnische Autor Stanisław Jerzy Lec. "Sie trieben, jeder mit einem anders gestimmten Glöckchen. Und hinter ihnen kein einziges Schaf." Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis läutet in diesen Tagen seinen Glöckchen besonders laut. Doch wo sind die Schafe?

Womöglich fürchtet er, dass keine mehr da sind, wo doch sein Chef Alexis Tsipras künftig Vize-Außenminister Euklides Tsakalotos und den Unterhändler Giorgos Houliarakis zu allen Gespräche mit EU-Kommission, EZB und IWF, vulgo: Troika, bestimmt hat. Diese Furcht muss so unangenehm sein, dass er in einem Interview mit Zeit online nun mal aufräumt mit diesem ganzen schlechten Gerede über ihn.

"Nein, ich bin nicht isoliert", stellt Varoufakis klar. Und nein, er sei auch nicht als Amateur beschimpft worden. Vielmehr seien seine Kollegen in der Euro-Gruppe "sehr anständige und zivilisierte" Menschen. "Sie würden mich deshalb nie so bezeichnen." Man würde einen sehr kollegialen Umgang pflegen, denn: "Wir sind Profis."

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Griechenland: Was sagen Sie zur Schwächung von Varoufakis?

Der griechische Finanzminister Varoufakis ist erst seit drei Monaten im Amt, jetzt wird er Stück für Stück entmachtet. Neue Unterhändler sollen die Gespräche mit den Kreditgebern voranbringen.   Diskutieren Sie mit uns.

Was wie eine Entmachtung aussah, sei tatsächlich die formelle Einführung einer Gruppe von Ministern und anderen Regierungsmitgliedern in Griechenland, die eh schon seit Wochen permanent an seiner Seite arbeiten würden.

Zweiflern schleudert Varoufakis entgegen: "Ich habe den Vorsitz in dieser Gruppe, sie unterliegt meiner Zuständigkeit. Ich treffe die Entscheidungen." Das bedeute zugleich, dass er weiterhin die Verhandlungen auf griechischer Seite leite: "Ja, ich gebe den Ton an."

Freute sich Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem am Dienstag also zu früh, als er Tsipras für seinen Schritt lobte? Und täuschte sich das Bundesfinanzministerium, als es frohlockte, die "neuen Arbeitsstrukturen" in Athen könnten dazu führen, "dass die Gespräche im Ganzen beschleunigt werden"?

Wohl kaum. Wer so laut mit seinem Glöckchen klingeln muss wie Yanis Varousfakis, dem hört man offensichtlich nicht mehr zu.

Fast schon tragisch nimmt es sich aus, dass Varoufakis nicht nur politisch, sondern an diesem Mittwoch in einem Restaurant in Athen auch noch von vermummten Anarchisten angegriffen wurde. Die Angreifer sollen mit Gegenständen nach Varoufakis und dessen Frau Danae geworfen, beide aber nicht getroffen haben.

Danae stellte sich schließlich zwischen Yanis und die Angreifer. Sie habe "sich an mich gepresst, ihnen dabei den Rücken zugewandt, so dass sie sie hätten schlagen müssen, bevor sie mich erreicht hätten", berichtet Varoufakis. Anschließend habe er durch ein Gespräch die Lage entschärfen können. In Brüssel funktioniert das nicht mehr. Schade eigentlich.