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Wirecard:Razzia in Zentrale

The headquarters of Wirecard AG is seen in Aschheim near Munich

Der Stammsitz des Dax-Konzerns im Münchener Vorort Aschheim.

(Foto: Michael Dalder/Reuters)

Grund für die Durchsuchung bei dem Aschheimer Konzern ist eine Strafanzeige der Finanzaufsicht Bafin wegen des Verdachts auf Marktmanipulation.

Die Woche endet mehr als turbulent für den Dax-Konzern Wirecard. Die Finanzaufsicht Bafin hat bereits vor einigen Tagen Strafanzeige gegen das Unternehmen mit Sitz in Aschheim bei München gestellt. Sie verdächtigt das Unternehmen um Chef und Anteilseigner Markus Braun der Marktmanipulation. Konkret soll es um zwei Meldungen gehen, die Wirecard in den vergangenen Wochen gemacht hat und die den Markt womöglich in die Irre geleitet haben. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft München I auf Nachfrage der Süddeutschen Zeitung. Die Ermittler haben aufgrund der Anzeige die Ermittlung aufgenommen und im Laufe des Freitags die Räume des Konzerns in Aschheim durchsucht. Sie führen zudem alle vier Vorstände des Zahlungsdienstleisters als Beschuldigte, darunter auch Vorstandschef Markus Braun. Wie der aktuelle Stand der Ermittlungen ist, wollten die Ermittler zunächst nicht sagen. Das Handelsblatt hatte zuerst über die Verdachtsmomente berichtet. An der Börse verlor die Aktie im Frankfurter Späthandel zeitweise mehr als elf Prozent.

Konkret geht es um zwei Meldungen vom 12. März und 22. April, die Wirecard im Zusammenhang mit einem Sonderbericht von KPMG gemacht hat. Diese Sonderprüfung hatte Wirecard eigentlich beauftragt, um die langjährigen Vorwürfen der Bilanzmanipulation endlich zu widerlegen. Stattdessen warf die mehr monatige Prüfung mehr Fragen als Antworten auf, weil die Prüfer wichtige Zahlungsströme nicht einwandfrei nachvollziehen konnten. Im Vorfeld der Veröffentlichung des Berichts hatte Wirecard nun die beiden Meldungen ausgegeben, in denen sich der Konzern betont gelassen gab und es für Anleger so aussah, als würden durch den Bericht alle Vorwürfe entkräftet werden. Genau das war aber nicht der Fall. Der Bericht zählte zahlreiche Kritikpunkte und Mängel auf, woraufhin der Aktienkurs stark nachgab. Die Ermittler schauen sich nun genauer an, ob Wirecard den Finanzmarkt anders hätte informieren müssen. Die Finanzaufsicht teilte auf Anfrage mit: "Die BaFin äußert sich grundsätzlich nicht zu einzelnen Gesellschaften."

Hintergrund des Berichts sind Vorwürfe gegen Wirecard, die Anleger und Investoren verunsichern und über die die Financial Times im vergangenen Jahr prominent berichtet hat. Den Berichten zufolge sollen mehrere Rechnungen im Asiengeschäft zurückdatiert oder gefälscht worden sein, um, so der Vorwurf, den Umsatz künstlich aufzupumpen. Noch gravierender sind Vorwürfe, wonach Wirecard Geschäfte über Drittpartner womöglich künstlich aufgebläht hat. Der KPMG-Bericht hatte dazu keine endgültigen Beweise gefunden, konnte aber auch die Zahlungsströme nicht einwandfrei nachvollziehen. Wirecard sieht sich entlastet.

© SZ vom 06.06.2020

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