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Fehlende Milliarden:Geständnis im Wirecard-Skandal

Wirecard-Hauptsitz in Aschheim

Das Wirecard-Hauptquartier in Aschheim bei München.

(Foto: dpa-tmn)

Ein Manager, der die Niederlassung des Konzerns in Dubai leitete, packt bei der Staatsanwaltschaft aus.

Von Klaus Ott, Jan Willmroth und Nils Wischmeyer

Im Skandal um geschönte Bilanzen bei der Wirecard AG und andere mutmaßliche Delikte hat ein erster Konzernmanager ein Geständnis bei der Staatsanwaltschaft München I abgelegt. Es handelt sich um den früheren Geschäftsführer der Konzerntochter Cardsystems Middle East in Dubai am Persischen Golf, er sitzt in Untersuchungshaft. Wirecard soll in Asien Geschäfte und Vermögen in Milliardenhöhe vorgetäuscht haben.

Dass ein Geständnis vorliegt, lässt sich aus einer Erklärung herauslesen, die der Anwalt des Dubai-Managers der Süddeutschen Zeitung und anderen Medien geschickt hat. Darin schreibt der Münchner Strafverteidiger Nicolas Frühsorger: "Mein Mandant hat sich freiwillig dem Verfahren gestellt und steht - im Gegensatz zu anderen - zu seiner individuellen Verantwortung." Zu den Einzelheiten "werden wir uns allerdings ausschließlich gegenüber der Staatsanwaltschaft München äußern", schreibt Frühsorger weiter. Der Deutschen Presseagentur sagte der Strafverteidiger ergänzend, dass er nicht von einem Geständnis gesprochen habe.

Der Wirecard-Manager war Anfang vergangener Woche aus Dubai nach München zur Staatsanwaltschaft gekommen; in dem Wissen, dass er wahrscheinlich verhaftet werden würde. Was dann auch geschah. Der Manager aus Dubai wollte sich stellen, genauso wie der langjährige Wirecard-Vorstandschef Markus Braun. Und anders als der geflüchtete Ex-Vorstand Jan Marsalek, der das offenkundige Lügengebäude bei Wirecard geschaffen haben soll. Der in U-Haft sitzende Manager vom Persischen Golf dürfte viel über Marsalek wissen.

Der Manager vom Persischen Golf ist vielen ein Rätsel

Die Cardsystems Middle East in Dubai war bei Wirecard offenbar der Türöffner für Geschäfte in Asien. Noch 2018 soll diese Tochterfirma fast 32 Prozent der Umsatzerlöse von Wirecard beigesteuert haben. So stellt es die Wirtschaftsprüfgesellschaft KPMG dar, die den Konzern im Wege einer Sonderprüfung durchleuchtet hat. Der Gewinn, für den Wirecard an der Börse gefeiert wurde, kam zu einem guten Teil von Cardsystems.

Die Staatsanwaltschaft München I wirft dem inhaftierten Wirecard-Manager schweren Betrug und versuchten gemeinschaftlichen Betrug jeweils im besonders schweren Fall sowie Beihilfe zu anderen Straftaten vor. Als Haftgründe nannten die Strafverfolger Flucht- und Verdunkelungsgefahr. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Braun, Marsalek und andere wegen Manipulation des Börsenkurses, Bilanzfälschung und Untreue.

Der Wirecard-Manager vom Persischen Golf ist vielen ein Rätsel. Fast niemand im Konzern habe ihn je zu Gesicht bekommen, sagt ein Insider. Ein geheimnisvoller Manager, der wunderbare Zahlen lieferte, das ist Teil der Wirecard-Geschichte. Die Umsätze, die Cardsystems Middle East allein über eine einzige Partnerfirma erzielt haben soll, stiegen zwischen 2016 und 2018 um 194 Prozent. Doch Wirecard erweist sich längst als Kartenhaus, das in sich zusammenstürzt.

© SZ
FILE PHOTO: A woman enters the headquarters of Wirecard AG in Aschheim

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