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Winklevoss-Zwillinge investieren in Bitcoins:Millionenschwere USB-Sticks in Schließfächern

File photo of Cameron and Tyler Winklevoss at the Head of the Charles Regatta in Boston, Massachusetts

Cameron und Tyler Winklevoss waren auch als Ruderer erfolgreich. Jetzt setzen sie auf Bitcoins.

(Foto: REUTERS)

Sie verklagten Facebook-Chef Zuckerberg, ruderten dann bei Olympia, jetzt spekulieren sie mit der digitalen Währung Bitcoins: Die Winklevoss-Zwillinge sind zurück. Und sie haben Millionen mitgebracht.

Vor einer Weile traten die beiden mal in einem Werbespot für Pistazien auf. "Tolle Idee, die Nuss zu knacken. Da könnte was Großes draus werden", sagte der eine. "Denkst du, die könnte uns jemand klauen?", entgegnete der andere. Es war eine Anspielung auf einen Streit, den die Zwillinge in jenen Tagen mit einem gewissen Mark Zuckerberg vor Gericht austrugen. Auch dort ging es um eine tolle Idee: eine Internetseite, über die sich Leute miteinander vernetzen können. Und Cameron und Tyler Winklevoss waren überzeugt, dass Zuckerberg ihnen diese Idee damals in ihrer Studienzeit in Harvard geklaut hatte. Nun, da er daraus ein milliardenschweres Geschäft gemacht hat, wollten die Zwillinge aus der Sache auch ein bisschen was für sich rausschlagen. Und sei es nur als Werbefiguren für Pistazien.

Jetzt, zweieinhalb Jahre später, verfolgen die Winklevoss-Zwillinge wieder so eine Idee, aus der etwas Großes werden könnte: Bitcoins. Das sind digitale Münzen, die im Netz geschaffen und gehandelt werden. Sie entstehen am Computer. Keine Behörde kontrolliert sie, keine Bank bürgt für sie. Lange wurden sie als Hackerwährung belächelt. Doch in einer Zeit, in der immer mehr Menschen das Vertrauen in das etablierte Finanzsystem verlieren, erobern sie nun auch die reale Welt. Vor einem Jahr war ein Bitcoin keine fünf Dollar wert. Mitte dieser Woche war der Kurs auf den Spitzenwert von 266 Dollar geklettert. Und mittendrin, da sind die Winklevoss-Zwillinge eingestiegen.

Schon im Kindesalter nahmen die Zwillinge aus gutem Hause Klavierunterricht. Zum Wirtschaftsstudium ging's an die Eliteuniversität Harvard, wo sie auch Zutritt zu den exklusivsten Klubs hatten. Und bei den Olympischen Spielen in Peking im Jahre 2008 traten sie dann sogar im Ruderwettkampf an. 28 Sekunden lagen sie hinter dem Sieger-Team aus Australien. Das reichte nur für Platz sechs. Um so mehr legten sie sich später ins Zeug, als es gegen Mark Zuckerberg ging. Schließlich einigte man sich außerhalb des Gerichtssaals: 20 Millionen Dollar in bar sowie Facebook-Aktien, die mittlerweile 200 Millionen Dollar wert sind, erhielten die Zwillinge damals, damit sie nur endlich Ruhe geben.

Wenn man im wohlhabenden Greenwich an der amerikanischen Ostküste aufgewachsen ist, packt man das Geld natürlich nicht einfach unters Kopfkissen. Vor etwa einem Jahr gründeten die Brüder also eine Beteiligungsgesellschaft namens Winklevoss Capital - und die investierte in tolle Ideen. In Hukkster, einen Internetdienst, der einen über Sonderangebote informiert. In Sum Zero, ein Netzwerk für Anlageprofis. Und in Bitcoins. Seit dem vergangenen Sommer haben die Zwillinge im großen Stil digitale Münzen aufgekauft. "Wir haben uns entschieden, unser Geld und unser Vertrauen in ein mathematisches System zu stecken, das frei von politischen und menschlichen Fehlern ist", sagte Tyler Winklevoss im Interview mit der New York Times.

Elf Millionen Dollar waren ihre Bitcoins noch vor wenigen Tagen wert. Doch das war, bevor Mitte der Woche die wichtigste Bitcoin-Börse Mt. Gox ausfiel - und der Kurs abstürzte. Am Freitagnachmittag lag er nur noch bei 69 Dollar. Kritiker warnen vor einer Bitcoin-Blase. Cameron Winklevoss hält dagegen: "Die Leute wollen das nicht ernst nehmen. Aber irgendwann wird sich das ändern, sie werden merken, dass virtuelle Währungen bleiben."

Selbst als der Handel auf Mt. Gox nach einer halbtägigen Pause am Freitag wieder aufgenommen wurde, sackte der Kurs weiter ab. Es ist unklar, ob ein enormer Andrang die Rechner der Handelsplattform in die Knie gezwungen hatte oder ob Hacker am Werk waren. Um ihre digitalen Devisen vor Kriminellen zu schützen, bewahren die Winklevoss-Zwillinge sie übrigens auf USB-Sticks auf. Und die liegen in Bankschließfächern.