Wiesenhof Auf der Suche nach dem Fleisch der Zukunft

Sieht aus wie ein Rindfleisch-Burger und soll auch so schmecken, wird aber aus Erbsen gemacht.

(Foto: oh)

Burger aus Erbsen oder gezüchtet im Reagenzglas: Der Wiesenhof-Konzern PHW kooperiert mit Start-ups - und ist damit nicht allein.

Von Silvia Liebrich

Fleischkonzerne, die vegetarische Burger oder vegane Wurst verkaufen? Es ist nicht lange her, da schien das völlig undenkbar. Das galt nicht nur für die Hersteller selbst, sondern auch für viele Menschen, die beim Essen auf tierische Produkte verzichten wollen. Doch die unsichtbare Trennwand bröckelt zusehends. Selbst traditionelle Fleischunternehmen wie die PHW-Gruppe steuern um - immerhin einer der größten Geflügelfleischanbieter in Deutschland und vor allem für seine Marke Wiesenhof bekannt. Eine Firma, die in der Vergangenheit aber auch wegen Tierschutzverstößen und Hygienemängel immer wieder in Schwierigkeiten geriet.

Just dieses Unternehmen will künftig mit pflanzlicher Kost sowie künstlichem Fleisch aus dem Reagenzglas bei Verbrauchern punkten. Das konservative Unternehmen hat sich dafür mit Partner aus der hippen Start-up Szene zusammengetan. Einer davon ist die kalifornische Firma Beyond Meat, die unter anderem von Microsoft-Gründer Bill Gates und dem US-Schauspieler Leonardo DiCaprio finanziert wird. Fleischersatz auf pflanzlicher Basis herstellen, der vom Original nicht mehr zu unterscheiden ist, so lautet das Ziel des 2009 gegründeten Start-ups. Vorzeigeprodukt der Firma ist ein Burger, der in Geschmack und Aussehen einem Rindfleischburger gleichen soll, aber zu 100 Prozent vegan ist und auf Erbsenprotein basiert. In den USA werden Produkte von Beyond Meat den Angaben zufolge bereits in 25 000 Supermärkten und Restaurants angeboten.

Die PHW-Gruppe will den Pflanzen-Burger nun exklusiv auf dem deutschen Markt vertreiben, wie beide Firmen bekannt gaben. Beliefert werden soll zunächst nur die sogenannte Systemgastronomie, also Restaurant- und Imbissketten. "Wir gehen diese vermeintlich ungewöhnliche Partnerschaft ganz bewusst ein, weil wir an Wachstum durch Vielfalt glauben", sagt dazu Peter Wesjohann, Vorstandsvorsitzender der PHW-Gruppe. Beyond-Meat-Chef Ethan Brown hebt hervor, dass er am neuen Partner vor allem dessen Vertriebsexpertise auf dem europäische Markt schätzt.

Das klingt nach einer klassischen Win-Win-Situation. Ob die Rechnung aufgeht, das muss sich erst noch zeigen: Zwar ist die Nachfrage nach pflanzlichem Fleischersatz in Deutschland durchaus vorhanden, und sie steigt rapide, doch noch ist der Anteil am gesamten Fleischmarkt insgesamt sehr gering. Und dann gibt es da noch die Ressentiments, die viele Vegetarier und Veganer klassischen Fleischkonzernen entgegen bringen.

Für Wiesenhof-Eigner Wesjohann ist die neue Partnerschaft ein weiterer Schritt, um die Produktpalette jenseits von Geflügelfleisch zu erweitern. Erste vegane Produkte brachte das Unternehmen bereits 2015 in die Läden. Anfang 2018 folgte eine Investition in das israelische Biotech-Start-up Supermeat, das echtes Fleisch aus Zellkulturen züchten will. Ein Produkt, das es nach Einschätzung von Experten frühestens in drei bis fünf Jahren in die Ladenregale schaffen könnte. Firmenchef Wesjohann stellt aber auch klar: "Kern unseres Geschäftsfeldes wird weiterhin die Erzeugung von Geflügelfleisch sein".

Die Kritik am hohen Fleischkonsum und dessen negative Auswirkungen auf Tierhaltung und Umwelt beschäftigt inzwischen viele Unternehmen in der Branche. Als etwa die Rügenwalder Mühle, einer der bekanntesten Wurstanbieter des Landes, vor ein paar Jahren erste vegetarische Produkte in die Läden brachte, wurde dies von vielen Fleischmanagern noch müde belächelt. Inzwischen ist Rügenwalder mit einer breiten Palette vegetarischer und veganer Produkte im Handel präsent. Und der Erfolg lockt Nachahmer an. Ein Innovationsschub kommt von Start-up-Firmen, die sowohl mit Pflanzenersatz experimentieren, als auch an der Fleischzucht im Labor arbeiten. Auf der Suche nach dem Fleisch der Zukunft haben selbst große Lebensmittelkonzerne wie Nestlé und Unilever ihre Fühler ausgestreckt, auch sie kooperieren mit Wissenschaftlern und innovativen Firmen.