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Werbung:Sendepause auf Berlins Litfaßsäulen

Wahlplakate im Vorfeld der Reichstagswahl, 1932

Ein Bild aus längst vergangenen Tagen: 1932 bringt ein Mann am Hausvogteiplatz ein Wahlplakat an einer Litfasssäule an.

(Foto: Scherl, SZ Photo)

Als die Stadt ankündigte, dass die Werbesäulen wegkommen, schrien Nostalgiker auf. Nun dürfen 24 der rund 2500 Werbeflächen wegen Denkmalschutz bleiben. Und es kommen neue - allerdings ohne Traditionswert.

Längst schalten Firmen ihre Werbung im Internet und wahrscheinlich waren es zuletzt vor allem die Hunde, die Litfaßsäulen zu schätzen wussten - als Urinal. Doch wie das so ist mit alten Dingen: Sobald sie weg sollen, regt sich Nostalgie. So auch in der Hauptstadt, als bekannt wurde, dass es den Werbesäulen an den Sockel geht. Zum Glück hat Berlin (neben einer Vielzahl alternativer Hundeklos) auch ein Herz, überprüfte die bisher vorhandenen 2548 Litfaßsäulen und kam zu dem Schluss: "24 dieser Säulen genießen Denkmalschutz und bleiben als Zeugnisse der Berliner Stadtgeschichte an Ort und Stelle erhalten", wie der Landeskonservator nun mitteilte.

Die runden Plakatwände heißen übrigens nicht Litfaßsäulen, weil sie die Form eines Fasses haben und so "lit" sind (in der Jugendsprache das neue "cool"), sondern weil ihr Erfinder Ernst Litfaß hieß. Und so ganz aus der Zeit gefallen ist seine Erfindung offenbar noch nicht: Die Firma Ilg, die nun für die Werbeflächen zuständig ist, hat Bauanträge für etwa 1600 neue Säulen gestellt, "erschtmal", sagt ein Sprecher. Denn die Firma kommt - wie so vieles, was nach Berlin zieht - aus Stuttgart.

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