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Werbekampagne von Gillette:Glatter Reinfall

Christopher Reeve, Clark Kent, Superman, Gillette

Wie rasiert sich eigentlich Superman?, fragte Gillette. Fans spotten: Nicht mit einer banalen Klinge. 

(Foto: Reuters)

Wie rasiert sich eigentlich Superman? fragte Rasierhersteller Gillette in einer Werbekampagne. Nun spotten echte Fans: Wer die Comics gelesen hat, weiß doch, wie der Held seinen Bartwuchs trimmt. Jedenfalls nicht mit einer banalen Gillette-Klinge.

In den Achtzigern hat Bonnie Tyler ihre Sehnsucht nach einem richtigen Kerl in die Welt hinausgeschmettert. I need a hero, Ich brauche einen Helden, röhrte sie. Und damit es auch keine Zweifel am Ausmaß ihrer Verzweiflung geben konnte, fackelte sie im dazugehörigen Musikvideo auch noch ein Haus ab, fiel auf die Knie und wühlte mit den Händen im Dreck - nur so als dramatisches Element.

Ach, Helden! Trotz der Tylerschen Sehnsuchtsarie kann man sagen, dass die Faszination für den Übermann natürlich kein rein weibliches Ding ist. Im Gegenteil: Helden, vor allem solche aus Comics, zählen Jungs aller Altersklassen zu ihren Anhängern - und wohl auch eine beachtliche Zahl erwachsener Männer. Genau diesen Umstand wollte sich nun auch der amerikanische Konsumgüterhersteller Procter & Gamble zunutze machen und ließ für seine Rasierermarke Gillette eine neue Werbekampagne entwickeln. Im Mittelpunkt: Superman.

Tatsächlich, so schien es, hatten sie sich das ganz schlau ausgedacht bei Gillette. Im Zentrum der Kampagne sollte die Frage stehen: How does he shave? Wie rasiert sich Superman eigentlich? Schließlich ist der Held in den Comics ja gegen alles Irdische immun - wie sollte er da mit einem banalen Rasierer gegen seinen Bartwuchs angehen?

Superman hat seine eigene spektakuläre Rasiermethode

Gillette richtete also eine eigene Website ein, howdoesheshave.com, und lancierte die Aktion auch über soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook. Der Aufruf: Nutzer sollten ihre Ideen und Theorien ins Netz stellen. Von der Diskussion, das war offensichtlich die Hoffnung, sollte auch Gillette profitieren und bei einer jüngeren Zielgruppe positiv wahrgenommen werden.

Tatsächlich ist die "How does he shave?"-Aktion seit Beginn der Kampagne ein Thema im Netz geworden. Allerdings fällt ein großer Teil der Kommentare wohl nicht so aus, wie sich das Gillette und die US-amerikanische Werbeagentur Concept One erhofft hatten.

Vielleicht hätten sie sich die Superman-Comics mal genauer ansehen sollen? Superman nämlich, der "Mann aus Stahl", hat neben vielen anderen superheldenhaften Fähigkeiten auch die Möglichkeit, aus seien Augen einen Laserstrahl abzufeuern. Wenn sich der Unverwundbare rasieren muss, verwendet er genau das zu Styling-Zwecken: Er lässt den Laserstrahl von einem Spiegel reflektieren und brennt sich damit die Bartstoppel weg. Glatte Sache - und genau das ist auch gleich in mehreren Episoden im Detail zu sehen.

"Vielleicht hätte einer von Euch mal den Comic lesen sollen"

Für echte Superman-Fans ist Gillettes vermeintlich originelle Kampagne also: ein glatter Reinfall. Und die drücken ihren Unmut nun auch im Netz aus: "Die Gillette-Kampagne scheint auf den ersten Blick cool zu sein, ist aber total bescheuert für jeden Superman-Fan, der ihn schon tausend Mal beim Rasieren gesehen hat", schreibt etwa ein Twitter-User. Ein anderer: "Wie er sich rasiert? Vielleicht hätte einer von Euch Jungs bei Gillette mal vor Kampagnenstart den Comic lesen sollen."

Bei Gillette zeigt man sich dennoch zufrieden und verweist auf die hohen Klickraten: In den ersten acht Tagen wurde das erste Video zur Kampagne mehr als 400.000 Mal angeklickt. Das ist ja auch irgendwie - super.