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Wer von dem Papst-Besuch profitiert:Benedikt kommt - der Gewinn auch

An Benedikt wollen alle verdienen: Hunderttausende Papstpilger und die Kirche bescheren Hostienbäckereien, Gewänderschneidern und sogar gewieften Wohnungsbesitzern eine Menge Geld. Über einen Segen der irdischen Art.

Diese Zeile ist offenbar zu schön, um nicht immer wieder genutzt zu werden: "Wir sind Papst" hatten die Boulevardjournalisten von Bild im Jahr 2005 gedichtet, als der Deutsche aus Bayern im Vatikan die Nummer eins wurde. Jetzt ziert der Titel von damals wieder das Axel-Springer-Hochhaus in Berlin - als riesiges Plakat. In jener Stadt also, die Benedikt XVI. an diesem Donnerstag als erste auf seiner Vier-Tage-Tournee besuchte.

Amtseinführung von Papst Papst Benedikt XVI., 2005

Der Papst zum Anstecken: Das Oberhaupt der katholischen Kirche besucht Deutschland vom 22. September bis zum 25. September.

(Foto: ddp)

Zum ersten Mal seit fünf Jahren besucht der Popstar im Papamobil sein Heimatland, und die katholische Kirche lässt sich dieses Event viele Millionen Euro kosten. Auch bei Hunderttausenden Pilgern sitzt das Geld locker. Egal, ob es um den Schneider der Papstgewänder geht oder den Schreiner der Papstbänke - für viele ist es das Geschäft des Jahres. Auch für manche Privatperson ist Benedikt ein Fall zum Geldverdienen.

Beim Online-Auktionshaus Ebay zum Beispiel blüht der Schwarzmarktverkauf von Eintrittskarten: Für die Eucharistie-Feier auf dem Erfurter Domplatz gibt es aus Sicherheitsgründen ein Limit von 27 900 Tickets. Die Gläubigen ersteigern die begehrten Tickets mitunter für 100 Euro - dabei hatte die Deutsche Bischofskonferenz die Karten vor wenigen Wochen noch kostenlos abgegeben. Sie hat die Hoheit über die Vermarktung des päpstlichen Tourismus'.

"Wir als Bistum verurteilen diese Geldmacherei. Man muss sich immer wieder bewusst machen, dass es um einen Gottesdienst geht", sagt Andreas Wallbillich. Er ist für die Koordinierung des Papstbesuches in der Diözese Erfurt zuständig. Im Angebotstext für die Tickets werben die Verkäufer auf Ebay keck: "Die Erlöse dienen einem wohltätigen Zweck". Besonders absurd ist, dass sogar Tickets für die Messe auf dem großräumigen thüringischen Eichsfeld verkauft werden, für die es immer noch zahlreiche kostenlose Karten gibt.

Der Besuch aus Rom kostet die Bischofskonferenz bis zu 30 Millionen Euro. Davon zahlt das Erzbistum Berlin 3,5 Millionen Euro, die Diözesen Erfurt und Freiburg löhnen etwa elf Millionen Euro. Durch den Verkauf von benediktschen Merchandisingprodukten wie Pullis, Kerzen oder Mützen - alle schön mit dem Papstlogo versehen - soll etwas Geld eingenommen werden.

In einem extra eingerichteten Onlineshop können sich die Papstfans eindecken. Das Sortiment ist vielfältig: Eine Trinkflasche gibt es für 7,95 Euro, ein Papst-Sitzkissen für 11,95 Euro und eine goldene Münze, auf der das Konterfei Benedikts geprägt wurde, ist für 124,90 Euro zu haben.

Die extra angefertigten Bühnen, die angelegten Wege und die Sicherheit auf den Geländen machen die größten Posten in der Rechnung der Bistümer aus. Die geringen Ausgaben für Gewänder, Hostien oder einfache Holzbänke fallen bei diesen Summen nicht sonderlich ins Gewicht - für kleine Hersteller bedeuten die Aufträge viel.

Sogar Holz kann teuer werden, wenn nur der Papst in der Nähe ist. Auf dem Freiburger Flugplatz stehen 5000 Bänke, jede ist etwa fünf Meter lang und 150 Kilo schwer. Für schätzungsweise zwei Millionen Euro wurden sie im Raum Freiburg aus Schwarzwälder Tannenholz gezimmert. Sägewerksbesitzer Karl-Wilhelm Gutmann hat 2600 der Bänke fabriziert; die restlichen Aufträge hat er an umliegende Firmen vergeben. "Das ist der größte Einzelauftrag, den wir je bekommen haben", jubiliert Gutmann. Wenn Benedikt zurück im Vatikan ist, sollen die Bänke für 410 Euro pro Stück verkauft werden.

Auf den kleinen Bächen, die Freiburgs Innenstadt durchziehen, werden viele kleine Segel-Schiffchen mit dem Wappen des Papstes schwimmen; auf der anderen Seite des Segels ist das Freiburger Wappen zu sehen. Die Freiburger Behindertenwerkstatt Reha verkauft das selbst hergestellte "Papa-Aqua-Mobil" für 6,95 Euro. Die Macher dachten, das Staatszeichen des Vatikans sei kostenfrei, doch da sie den päpstlichen Schmuck wählten, drohen womöglich sogar Lizenzgebühren. Mit Argusaugen wacht die Bischofskonferenz darauf, wer das schwarz-gelb-rote Logo nutzen möchte, dann sind Lizenzgebühren fällig. Alles wie bei der Fifa zu Zeiten der Fußball-Weltmeisterschaft.

Der Kirchenbedarfshersteller W. Friedrich aus dem bayerischen Amberg hat für den Auftritt des Papstes 126 Gewänder genäht. Darunter ist ein ganz besonderes: Das für die Papstmesse im Berliner Olympiastadion. "Wir haben den Stoff neu entworfen und aufwendig mit Goldfasern bestickt", sagt Johannes Schlachtberger, der Chef des 14-Mann-Unternehmens. Die Erzdiözese Berlin zahlt 60.000 Euro für die Gewänder. Danach werden die Kleider jahrelang weiter getragen. Die Hostienbäckerei des Klosters Alexanderdorf, 30 Kilometer südlich von Berlin gelegen, hat für die Feierlichkeiten in Berlin rund 80.000 Hostien ("Oblaten") aus 80 Kilogramm Mehl gebacken.

Für hartgesottene Pilger wird die Nacht vor der Messe ohnehin kurz. Wer aber keine Lust hat, sich die Nacht im Freien um die Ohren zu schlagen, muss tief in die Tasche greifen: Die Hotels in Erfurt und Freiburg sind restlos ausgebucht. Die Hotels erhöhen ihre Preise vereinzelt um bis zu 180 Prozent. Dass die Gästebetten in Erfurt und Freiburg nicht reichen würden, war den Stadtverwaltungen klar: Sie rief die Bürger dazu auf, die Pilger kostenlos zu Hause aufzunehmen.

Auf speziell eingerichteten Übernachtungsbörsen - oder bei der Onlinewohnungsbörse WG-gesucht - haben die Erfurter und Freiburger ihre Wohnungsangebote eingestellt. Dort wo die Nachfrage das Angebot übersteigt, langen die Wohnungsbesitzer kräftig zu. Manche Pilger bezahlen für ein Zimmer oder eine kleine Wohnung fürs Wochenende eine durchschnittliche Monatsmiete.

Davon haben beide Seiten etwas, wie Björn aus Freiburg, einer der Untervermieter, glaubt: "Die Leute, die meine Wohnung buchen, sind viel schlauer als die, die ins Hotel gehen. Immerhin können sie bei mir sogar noch Bad und Küche mitbenutzen." Dass Hotels normalerweise eine warme Dusche und ein Frühstück anbieten, scheint ihn bei dieser Rechnung nicht zu interessieren. Er vermietet sein Zimmer für 500 Euro pro Nacht - wie viele Leute dort auf Isomatten übernachten ist ihm egal.

Der Freiburger Student Jannik verlangt 200 Euro pro Nacht und Person. In Janniks Bekanntenkreis sind viele, die übers Wochenende woanders unterkommen. Einige übernachten sogar im Auto, erzählt er. Ganz wohl ist ihm bei der Sache nicht: "Ich habe ja ein bisschen schlechtes Gewissen, aber die Leute bezahlen ja."