Weltwirtschaftsforum in Davos Occupy Iglu

Eisblöcke zersägen, Kapitalismus zerschlagen: Junge Schweizer verkünden vor den Toren des Davoser Weltwirtschaftsforums: "Ich schlafe lieber im Iglu als mit CEOs". Sie demonstrieren gegen das System, doch dessen Vertreter lassen sich nicht blicken.

Von Caspar Busse, Davos

Wenigstens die Aussicht ist nicht schlecht: Der Blick geht über die weißen Berge von Davos, aus der Ferne sind einige große Tagungshotels zu sehen. Zum Konferenzzentrum von Davos sind es, Luftlinie, drei Kilometer. Auf dem großen Parkplatz der Parsenn-Bergbahn, ganz hinten in der Ecke, campieren 45 Occupy-Demonstranten. Es ist kalt, Schnee ist genug da - und die Protestierenden, die seit dem Wochenende vor Ort sind, haben bereits sieben Iglus gebaut. Occupy Davos, Occupy Iglu.

Iglu-Dorf statt Zeltstadt: Die Occupy-Aktivisten haben sich im winterlichen Davos eingerichtet.

(Foto: dpa)

"Wir wollen, dass sich die Menschen Gedanken machen", sagt Amadeus Thiemann, 32. Er ist aus Zürich in den Wintersportort gekommen. Es könne nicht sein, meint er, dass eine nicht-legitimierte Gruppe von Managern, die sich hier in Davos treffen, über das Schicksal der ganzen Welt entscheiden. Das solle sich ändern, die Demokratie müsse reformiert werden. "Occupy WEF", lautet das Motto: Das Weltwirtschaftsforum soll also besetzt werden - dessen Organisator Klaus Schwab inzwischen selbst sagt, das kapitalistische System passe nicht mehr in die Welt. Doch drüben, im Konferenzzentrum, interessiert das alles nur wenige der Manager, Unternehmer, Politiker, Ökonomen. Auf keinem der vielen Podien sitzt ein Occupy-Vertreter.

"Ich schlafe lieber im Iglu als mit CEOs", steht auf einem Transparent. Initiiert wurde die Aktion vom Präsidenten der Jungsozialisten in der Schweiz, David Roth; es gibt eine eigene Webseite und Auftritte bei Facebook und Twitter. "Don't let them decide for you", lautet die Parole, lasst die Mächtigen nicht entscheiden. Der Bürgermeister von Davos habe ihnen diesen Iglu-Platz zur Verfügung gestellt, berichtet Thiemann - und er kommt auch jeden Tag vorbei. Auch der zuständige Kantonalrat unterstütze die Aktion. Die Polizei lasse sich nicht sehen. "Es ist ein Bild, was wir hier hingestellt haben", erklärt Raffael Wüthrich, 26. Er ist aus Interlaken gekommen.

Offizielle vom Weltwirtschaftsforum haben sich bisher nicht sehen lassen, dafür ist das Medieninteresse groß. Fernsehsender wie CNN waren schon da, auch indische Journalisten haben sich das Lager angeschaut, selbst das treu-kapitalistische Wall Street Journal hat berichtet. Die PR sitzt, im Weltmaßstab jedenfalls. "Schweizer Medien interessieren sich dagegen kaum", klagt Wüthrich.

Die Stimmung ist gut. Es werden Eisblöcke zurecht gesägt, weitere Iglus entstehen. Die Demonstranten beraten über Aktionen rund ums Konferenzzentrum. Das Ganze hat etwas von Zeltlageratmosphäre, kein Vergleich zum Rummel in den Grand-Hotels. "Die Budgets sind halt sehr unterschiedlich", so Thiemann. Die Aktion finanziert sich vor allem aus Spenden.

Zum Duschen können die Protestierer in eine nahe gelegene Wohnung gehen, ein Unterstützer stellt sie zur Verfügung. Zudem stehen da zwei runde Jurte-Zelte, wie sie Nomaden in Asien nutzen. Die können mit einem kleinen Holzofen beheizt werden. Dort übernachten die meisten der Aktivisten. In einem großen Container wird gekocht. "Den hat uns die ARD überlassen", sagt Wütherich. Auf der Eingangstür steht noch die große, öffentlich-rechtliche Eins. Ein Fernsehteam der ARD hat auch schon gefilmt.

Linktipp: Hier kann man das Weltwirtschaftsforum im Livestream verfolgen.