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Währungen:Britisches Pfund stürzt ab

Die neuen Pfund-Noten sind aus Plastik, der Haltbarkeit wegen. Mehr wert sind sie deshalb allerdings nicht.

(Foto: AP)
  • Die harte Haltung der britischen Premierministerin beim Brexit verunsichert die Finanzmärkte.
  • Ein Pfund Sterling kostete am Dienstag nur noch 1,14 Euro, zum Dollar fiel die britische Währung sogar auf den tiefsten Stand seit mehr als 30 Jahren.

Wenige Worte lösen Turbulenzen am Devisenmarkt aus: Premierministerin Theresa May hat signalisiert, dass Großbritannien bei den anstehenden Austrittsverhandlungen mit der EU zumindest bei der Einwanderungspolitik keine Kompromisse machen will. Das könnte bedeuten, dass umgekehrt auch die EU sich auf keine Kompromisse einlassen wird, etwa wenn es um den zollfreien Handel geht. Kurz: Es könnte zum harten Brexit kommen.

Die Aussicht darauf verunsichert die Devisenhändler so sehr, dass das britische Pfund nun deutlich tiefer steht als unmittelbar nach dem Brexit-Votum. Am Dienstag kostete ein Pfund Sterling nur noch 1,142 Euro. Zum Dollar notierte die britische Währung zwischenzeitlich nur noch bei 1,2737 Dollar. Das war der tiefste Stand seit 1985.

Weil aber eine schwache Währung zumindest für die Unternehmen günstig ist, die viele Waren in andere Länder verkaufen, ging es gleichzeitig an der Börse deutlich nach oben. Das schwache Pfund gilt als ein wichtiger Grund dafür, dass das Brexit-Votum die Stimmung in der britischen Industrie bislang nicht nachhaltig schwächen konnte. Positiv dürften zudem Signale von Finanzminister Philip Hammond aufgenommen worden sein, der am Montag ankündigte, die Staatsausgaben zu erhöhen, um die Wirtschaft zu stützen.

Mays Haltung dürfte Verhandlungen erschweren

Ihre Rede hatte May beim Parteitag der Konservativen am Sonntag in Birmingham gehalten. Die Brexit-Verhandlungen sollen ihr zufolge im März 2017 beginnen. Mit einem sogenannten Great Repeal Bill (Großes Abschaffungsgesetz) solle die "Herrschaft des EU-Rechts über Großbritannien ein Ende nehmen", sagte May. Und: "Wir verlassen die EU nicht, um noch einmal die Kontrolle über die Einwanderung abzugeben."

Mit dieser Haltung dürften die Verhandlungen mit der EU schwierig werden, sagt Esther Reichelt, Devisenmarkt-Expertin bei der Commerzbank. Denn bisher sehe niemand einen Weg, wie May ihre Ziele erreichen könne, ohne deutliche Einbußen beim Zugang zum gemeinsamen Binnenmarkt hinzunehmen. "Solange sich in dieser Frage keine gütliche Einigung abzeichnet, bleibt das Pfund deshalb unter Druck."

© SZ.de/hgn/sry

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