VW und Porsche In Feindschaft eng verbunden

Machtkampf pur: Der Clan der Porsches und Piëchs liefert seit Jahren Stoff für eine Familiensaga. Am Ende setzt sich immer einer durch: Cousin Ferdinand.

Von Hans Leyendecker

Aus diesen Tagen ist der Öffentlichkeit ein eindrucksvolles Foto der beiden mächtigsten Vertreter des Porsche-Piëch-Clans überliefert. Im Vordergrund links steht Ferdinand Piëch, der Aufsichtsratsvorsitzende von VW. Mit einem feinen, kleinen Lächeln schaut er zu Boden, wie so oft. Hinter ihm blickt sein Cousin Wolfgang Porsche, der Aufsichtsratschef der Porsche Automobil Holding SE, freundlich in die Kameras. Sein Lächeln wirkt nett. Als das Foto Anfang März dieses Jahres auf dem Autosalon in Genf aufgenommen wurde, hatte Wolfgang Porsche noch gut lachen. Die Holding, der er vorsteht, so schien es damals jedenfalls, hatte beste Chancen, das neue Führungsgremium für ein Autoreich von Porsche und VW zu werden. "Volkswagen wird ein Teil der Porsche Automobil Holding SE", hatte er noch vor gar nicht so langer Zeit in einem Interview erklärt.

Wolfgang Porsche (links) und Ferdinand Piëch

(Foto: Foto: dpa)

Der Plan gilt nicht mehr

Der Plan ist Makulatur. Wolfgang und die anderen Porsches haben ein zu großes Rad gedreht. Nun ist es so gekommen, wie es immer kommt. Am Ende setzt sich einer durch: Ferdinand Piëch.

Die Piëchs und die Porsches, deren Stammbaum einigermaßen überschaubar ist, liefern schon seit vielen Jahren Stoff für eine einzigartige deutsch-österreichische Familiensaga. Ferdinand Piëch, Jahrgang 1937, und Wolfgang Porsche, Jahrgang 1943, sind im Zweiten Weltkrieg auf einem Gut in Zell am See gemeinsam aufgewachsen. Beide gehören zur dritten Familiengeneration, beide sind Österreicher.

Ihr Großvater war der Käfer-Konstrukteur Ferdinand Porsche, der in den dreißiger Jahren bei Fallersleben (das später den Namen Wolfsburg bekam) eine Autofabrik aufgebaut hatte. In den Tagen des Zusammenbruchs nahm Anton Piëch, ein gelernter Rechtsanwalt, der die Porsche-Tochter Louise geheiratet hatte, die wichtigsten Geschäftsbücher und 10,5 Millionen Reichsmark an sich und setzte sich ins Salzburger Land ab. Die Millionen sollten angeblich für die Auslagerung einer Wollkämmerei verwendet werden. "Da die aber nicht mehr zustande kam", sei das Geld "dann größerenteils für die Finanzierung der Porsche KG" verwendet worden, resümierten die Historiker Hans Mommsen und Manfred Grieger in dem Standardwerk "Das Volkswagenwerk und seine Arbeiter im Dritten Reich".

Nach dem Krieg wurden Großvater Ferdinand, sein Sohn Ferry und Schwiegersohn Anton von den Alliierten für einige Zeit festgenommen, die Verfahren wurden jedoch eingestellt. Tochter Louise Piëch formte das Autohandelshaus Porsche Holding in Salzburg. Ferry Porsche machte aus dem väterlichen Konstruktionsbüro, das in Zuffenhausen bei Stuttgart eingerichtet worden war, die heutige Porsche AG. Für jeden neuen Käfer erhielten die Porsches/Piëchs eine Lizenzgebühr von einer Mark.

Ferry arbeitete auch als Entwickler für VW, Louise war Alleinimporteurin der Autos aus Wolfsburg für Österreich. In Salzburg wurde ein Familienunternehmen gegründet, das heute große Teile Südosteuropas mit Volkswagen-und Porsche-Fahrzeugen beliefert und einen Umsatz von rund zwölf Milliarden Euro im Jahr macht. Eine Goldgrube. Ursprünglich hatte es nur eine Garantie des Alleinimports von VW-Fahrzeugen für die österreichische Firma gegeben.

Die Porsches standen zunächst für Stuttgart, die Piëchs für Salzburg, und man traf sich bei VW in Wolfsburg. Welches der beiden Kinder - Louise oder Ferry - er als Erben eher für geeignet hielt, hatte der 1951 verstorbene Ferdinand Porsche offen lassen und das war auch der Keim für tiefste Zerwürfnisse. Im Lauf der Jahre gerieten die Porsches und die Piëchs immer häufiger aneinander und der junge Ferdinand Piëch war immer mitten im Getümmel. Es ging um Geld, Prestige und Eitelkeiten. Diplom-Ingenieur Ferdinand Piëch hatte den berühmten Porsche 917 entwickelt, der den Ruhm der Firma auch wegen der speziellen Ventilsteuerung mit zwei obenliegenden Nockenwellen mehrte. Er setzte sich dafür ein, die Steuerung auch in der Porsche-Serie zu verwenden, aber einer seiner Cousins, der Porsche-Produktionschef war, lehnte ab - zu teuer.

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