Volkswagen:Millionenschaden für Versicherer

Lesezeit: 2 min

VW will Schadenersatz von seinen früheren Top-Managern Martin Winterkorn und Rupert Stadler. Das könnte die Managerhaftpflichtversicherung bis zu 500 Millionen Euro kosten.

Von Herbert Fromme, Köln

Der Schweizer Versicherer Zurich führt nach SZ-Informationen das Konsortium an, bei dem Volkswagen seine Vorstände und Aufsichtsräte gegen Ansprüche aus ihrer Tätigkeit versichert hat. Der VW-Aufsichtsrat verlangt von dem früheren Konzernchef Martin Winterkorn und dem Ex-Audi-Chef Rupert Stadler Schadenersatz für die Belastungen aus dem Diesel-Skandal. Die Höhe des Anspruchs gegen die beiden Ex-Manager nannte VW nicht. Der Gesamtschaden für den Konzern wird auf mehr als 30 Milliarden Euro geschätzt.

In der so genannten D&O-Versicherung - nach dem englischen Directors' and Officers' - hat VW eine Deckung von 500 Millionen Euro, arrangiert vom Bremer Spezialmakler Krose. Sie greift allerdings nur, wenn die beiden Vorstände nicht vorsätzlich gehandelt haben. Nicht ohne Grund wirft ihnen der VW-Aufsichtsrat in seiner Stellungnahme nur "fahrlässige Pflichtverletzungen" vor.

Winterkorns Anwälte antworteten prompt auf die Stellungnahme. "Er weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück", schrieben Kersten von Schenck und Felix Dörr. Allerdings sei sich Winterkorn bewusst, dass der Aufsichtsrat gesetzlich verpflichtet ist, mögliche Ansprüche zu prüfen und gegebenenfalls geltend zu machen.

Die Zurückweisung der Ansprüche und Winterkorns Verständnis gehören zum Spiel der beiden Seiten, das zu einer möglichst hohen Zahlung der Versicherer führen soll. Alle Beteiligten wissen, dass die Manager aus ihrem Privatvermögen den Schadenersatz nicht leisten können. Auch Volkswagen dürfte kein Interesse an einer Privatinsolvenz der einstigen Chefs haben.

Winterkorn darf auf keinen Fall offen eingestehen, dass er fahrlässig gegen seine Sorgfaltspflichten verstoßen hat. Tut er das, würde er seine Pflichten gegenüber den Versicherern verletzen - die dann möglicherweise nicht zahlen.

Jetzt werden die Versicherer zunächst versuchen, die Ansprüche abzuwehren. Sehen die von den Versicherern beauftragten Anwälte VWs Ansprüche gegen die Manager als nicht gerechtfertigt an, muss der Konzern sie verklagen. Doch das ist sehr unwahrscheinlich. Branchenexperten gehen davon aus, dass sich Versicherer und VW auf einen Vergleich einigen - 250 Millionen Euro plus Abwehrkosten wären wohl realistisch.

Die Branche hat es aktuell noch mit einem weiteren potenziellen Großschaden zu tun: Für die insolvente Greensill Bank in Bremen gibt es eine Deckung über 100 Millionen Euro, arrangiert vom Bonner Makler Dr. Axe. Die Versicherer fürchten, dass zudem eine Welle pandemiebedingter Insolvenzen auf sie zurollt, die häufig zu Ansprüchen aus D&O-Policen führen. Aktuell steigen die Preise für D&O-Versicherungen kräftig an.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB