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Vonovia:"Wir sind angenehm langweilig"

Vonovia

Vonovia-Immobilien sollen im Jahresverlauf noch mal zwei bis drei Milliarden Euro wertvoller werden.

(Foto: Marcel Kusch/dpa)

Was dem Wohnkonzern zu schaffen macht - und was nicht.

Von Benedikt Müller-Arnold, Düsseldorf

Es läuft zwar nicht alles glatt für Deutschlands größten Vermieter Vonovia. Erste Mieter melden Geldprobleme infolge der Corona-Krise, Umbauten verzögern sich. Das Land Berlin schränkt Mieterhöhungen stark ein, demnächst müssen dort Wohnungen günstiger werden. Dennoch legt Vonovia nun Zahlen vor, die Investoren freuen. Der Wohnungskonzern meldet nach neun Monaten einen Betriebsgewinn von gut einer Milliarde Euro, fast neun Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Ein Wertzuwachs der Immobilien ist darin noch nicht eingerechnet. Die Aktionäre sollen 2021 eine höhere Dividende erhalten. "Wir sind angenehm langweilig", sagt Vorstandschef Rolf Buch.

Vonovia gehören gut 414 000 Wohnungen in Deutschland, Österreich und Schweden. Die frühere Deutsche Annington verlangt dafür im Schnitt eine Kaltmiete von 7,07 Euro pro Quadratmeter im Monat. Das sei "bezahlbar", betont Buch - es sind freilich knapp sechs Prozent mehr als vor einem Jahr. Zwar bremsen die Reform städtischer Mietspiegel sowie der Berliner Mietendeckel den Anstieg etwas aus. Auf der anderen Seite durfte Vonovia aber viele Mieten nach Modernisierungen erhöhen. Wenn die Firma neue Wohnungen baut oder teurere hinzukauft, steigt ihre Durchschnittsmiete ebenfalls. Vonovia profitiert dabei seit Jahren vom Zuzug in hiesige Großstädte. Der Großvermieter hat angekündigt, dass kein Mieter seine Wohnung verlieren werde, der infolge der Pandemie finanzielle Probleme habe. "Wir werden immer eine gemeinsame Lösung finden", sagt Buch. 2800 Härtefall-Anträgen habe man bereits zugestimmt, weitere würden noch bearbeitet.

Für die zweite Hälfte dieses Jahres erwartet Vonovia, dass der Immobilienbestand um weitere 2,3 bis 2,9 Milliarden Euro an Wert gewinnen dürfte. Das liegt nicht nur an der Nachfrage und niedrigen Zinsen; der Konzern baut mittlerweile auch mehr als 1400 neue Wohnungen pro Jahr. Und er investiert in Dämmungen, neue Fenster oder Heizungen. Allein dieses Sanieren werde nicht reichen, damit der ganze Bestand bis 2050 klimaneutral wird, wie es die Politik verlangt. "Wir müssen gleichzeitig CO₂-neutrale Wärme vor Ort erzeugen", sagt Buch. Vonovia erzeugt daher mehr und mehr Solarstrom und probiert in einem ersten Quartier aus, diesen lokal zu speichern und dann mit Wärmepumpen Häuser zu beheizen. Zudem setzt sich Vonovia jährliche CO₂-Einsparziele.

Der Konzern ist durch mehrere Übernahmen großgeworden, zuletzt auch in Schweden und Österreich; in Frankreich besitzen er bislang nur eine kleine Beteiligung. "In all diesen Ländern sehen wir weitere Akquisitionsmöglichkeiten", kündigt Buch an. Von Krisenstimmung ist bei Vonovia kaum etwas zu spüren.

© SZ vom 05.11.2020
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