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Versicherungsschutz:Unbeliebt, aber nötig

Universität Bayreuth, 2016

Studenten in der Mensa auf dem Campus der Universität Bayreuth.

(Foto: Johannes Simon)

Der Studienbeginn ist ein wichtiger Zeitpunkt, den eigenen Versicherungsschutz zu überprüfen. Nicht alle Policen sind für Studenten sinnvoll. Eine Hausratversicherung brauchen sie in der Regel nicht. Aber einige andere.

Von Nina Nöthling, Köln

Bald fängt das neue Semester an. Für viele Studenten ist das Studium der erste Schritt in die Unabhängigkeit. Sie ziehen zu Hause aus und planen ihre Zukunft. Eine unbeliebte, aber nötige Frage: Welche Versicherungen brauchen Studenten? Welche Policen sind nicht so wichtig? Worauf müssen sie beim Vertragsabschluss achten?

Welche Versicherungen sind für Studenten am wichtigsten?

Die Krankenversicherung ist in Deutschland Pflicht. Studenten sind in der gesetzlichen Krankenversicherung bis zum 25. Lebensjahr über die Familienpolice versichert. "Es sei denn, sie machen ein Duales Studium. Das gilt als Arbeit", so Ulrich Neumann von der Gothaer. Dann müssen sie sich selbst versichern.

Studenten, die bisher privat krankenversichert waren, können zu Beginn des Studiums in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln. "Sie können aber eine Anwartschaft auf ihre private Krankenversicherung laufen lassen, damit sie später ohne Gesundheitsprüfung wieder in die PKV einsteigen können", sagt Jana Dussel von der Allianz.

Sollten Studenten noch andere Versicherungen haben?

Vor allem die Haftpflichtpolice ist wichtig. "Sie ist die existenziellste Versicherung", sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Der Haftpflichtversicherer übernimmt Schäden, die der Versicherungsnehmer einem Dritten zufügt. Ein Beispiel: Ein Student überquert unachtsam einen Radweg. Dabei stößt er mit einer Fahrradfahrerin zusammen. Sie stürzt und wird zum Pflegefall. Die Kosten für die medizinische Versorgung der Frau zahlt der Haftpflichtversicherer. Aber auch weniger dramatische Fälle wie eine über dem Laptop des Freundes verschüttete Cola sind versichert.

Sind Studenten nicht bei ihren Eltern mitversichert?

Studenten sind meistens bis zum ersten Abschluss oder bis zum 25. Lebensjahr über die elterliche Haftpflichtpolice mitversichert. "Auch Studenten, die direkt an das Bachelorstudium den Master anschließen, können meistens bis 25 problemlos weiter in der Familienversicherung bleiben", so Neumann von der Gothaer. Einige Gesellschaften versichern Studenten aber nur solange mit, wie sie zu Hause wohnen, warnt Boss vom BdV. Auch wer vor dem Studium einige Monate reist, fällt aus der Familienversicherung heraus und muss sich zu Studienbeginn selbst versichern. Junge Menschen, die vor oder während des Studiums arbeiten, müssen eine eigene Haftpflichtpolice kaufen. Wer sichergehen will, dass er noch bei den Eltern mitversichert ist, sollte beim Versicherer nachfragen. "Wichtig ist, sich das schriftlich bestätigen zu lassen", so Boss.

Was ist wichtig bei der Police?

Studenten sollten darauf achten, dass Mietsachschäden und Praktika in der Haftpflichtpolice abgedeckt sind, rät Neumann. Gerade Personenschäden werden schnell sehr teuer, deshalb sollte die Deckung mindestens fünf Millionen Euro betragen, so der BdV.

Welche Policen sind noch wichtig?

Viele junge Leute denken noch nicht über eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) nach. Doch gerade das Studium ist ein guter Zeitpunkt, eine solche Police abzuschließen. "Je früher sie abgeschlossen wird, desto günstiger ist der Preis", so Boss. Die Police versichert die Arbeitskraft des Versicherungsnehmers. Kann er durch eine gesundheitliche Beeinträchtigung seinen geplanten Beruf nicht mehr ausüben, bekommt er eine monatliche Rente.

Wie viel kostet eine BU-Versicherung?

Es gibt spezielle Starter-Optionen. Dabei zahlt der Versicherte zum Beispiel in den ersten fünf Jahren niedrigere Beiträge. Bei der Gothaer sind das etwa 25 Euro im Monat für eine Rente von 1200 Euro monatlich. Bei der Axa liegt die Prämie der Starter-Option für eine monatliche Rente von 1000 Euro bei 15 Euro im Monat. Das Studium sei auch deshalb ein guter Zeitpunkt für den Abschluss, weil der Versicherer das Berufsrisiko später nicht mehr ändern kann, erklärt Boss. "Auch nicht, wenn der Sozialwissenschaftsstudent später auf Bombenentschärfer umschult."

Welche Versicherungen brauchen Studenten nicht?

Eine Hausratversicherung brauchen die meisten Studenten nicht. Auch von einer Altersvorsorge während des Studiums rät Neumann von der Gothaer ab

© SZ vom 05.09.2016
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