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Versicherungen:Gespräche mit Politikern

Manche Versicherungs­unternehmen zahlen, manche tun das nicht: Der Streit um Schadens­ansprüche nach Betriebsschließungen ist jetzt auch Thema für die bayerische Staatsregierung.

In die Auseinandersetzung um Ansprüche von Gastronomen und anderen Firmen aus ihrer Betriebsschließungsversicherung kommt Bewegung. Einige Versicherer wie Axa, R+V, Zurich oder Allianz wollen für Betriebsschließungen wegen des Corona-Virus nicht zahlen, weil der Fall nicht in den Versicherungsbedingungen vorgesehen war. Andere Gesellschaften wie Signal Iduna und HDI zahlen. Am Sonntag habe es nun Gespräche darüber mit der bayerischen Staatsregierung gegeben, die am Mittwoch fortgesetzt werden sollen, sagte Edgar Martin, Vorstandsmitglied der zum genossenschaftlichen Lager zählenden Versicherungsgruppe R+V, in einer Telefonkonferenz.

Auch in der Kreditversicherung gibt es Gespräche zwischen Politik und Versicherern, sagte R+V-Chef Norbert Rollinger. Seine Gruppe hält einen Marktanteil von 25,1 Prozent an der Kreditversicherung, mit der sich Unternehmen gegen die Pleite von Kunden zwischen Lieferung von Waren und Bezahlung absichern. Wenn die Kreditversicherer ihre Deckungslinien zurückziehen, erhält ein angeschlagenes Unternehmen keine Lieferungen mehr.

"Das ist ein schwieriges Feld", sagte Rollinger. "Wie halten wir unsere Linien aufrecht, wenn ein zunehmendes Risiko besteht?" Es gehe in den Gesprächen um eine Rückdeckungsversicherung, die der Bund den Warenkreditversicherern gibt, denn die Bonität vieler Unternehmen verschlechtere sich rapide.

In der Veranstaltungsausfallversicherung gebe es "einige Millionen an Ausfall", sagte Martin. Der größte versicherte Schaden für die R+V sind die verschobenen Passionsspiele in Oberammergau. Die Auswirkungen der Pandemie auf den Geschäftsverlauf 2020 seien "nicht absehbar", sagte Rollinger. Für das Jahr 2019 meldete die R+V Beiträge von 17,4 Milliarden Euro, ein Anstieg von 7,8 Prozent. Aufgrund von Sonderfaktoren stieg der Gewinn einmalig von 448 Millionen Euro auf 1,03 Milliarden Euro.

© SZ vom 31.03.2020

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