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Versicherungen:Ein bisschen transparent

Der Verkauf von Lebensversicherungen und anderen Versicherungsangeboten soll transparenter werden. Künftig müssen die Versicherer in allen EU-Ländern die Kosten ihrer Produkte deutlich ausweisen.

Der Verkauf von Lebensversicherungen und anderen Versicherungsangeboten soll künftig transparenter werden. Am Dienstagabend einigten sich die EU-Staaten, das Europaparlament und die Brüsseler Kommission auf die endgültige Fassung der Versicherungsvermittlungs-Richtlinie Insurance Distribution Directive (IDD). Innerhalb von zwei Jahren muss sie in nationales Recht umgesetzt werden.

Künftig müssen die Versicherer in allen EU-Ländern die Kosten ihrer Produkte deutlich ausweisen. Manche Versicherungen werden zusammen mit Gütern oder Dienstleistungen angeboten, beispielsweise beim Autokauf oder im Reisebüro. Hier sollen nach dem Willen der EU die Anbieter künftig zeigen, was wie viel kostet. Kunden haben das Recht, die Bestandteile auch einzeln zu kaufen.

In zentralen Punkten konnten sich die Kritiker der Versicherungswirtschaft aber nicht durchsetzen. Sie hatten das EU-weite Verbot von Provisionszahlungen bei Lebensversicherungen verlangt, wie es bereits in Großbritannien, den Niederlanden und mehreren nordischen Ländern gilt.

Das hätte für die bisherige Vertriebsform solcher Policen das Aus bedeutet. Immerhin zahlen die Kunden der deutschen Lebensversicherer, die mit ihren Prämien die Provisionen aufbringen, jährlich rund acht Milliarden Euro an Vertreter, Makler, Banken und andere Vermittler. Die Gegner der Provision wollten auf ein reines Honorarsystem umstellen, bei dem die Kunden den Vermittler nach Aufwand zahlen - und nicht indirekt über einen Anteil der von ihnen entrichteten Prämie.

Auch die geforderte automatische Offenlegung aller Provisionen, die ein Vermittler für einen bestimmten Vertrag erhält, kommt nicht. Der Vermittler muss nur mitteilen, wer ihn in welcher Form bezahlt.

Dennoch sieht der versicherungskritische Europaabgeordnete Sven Giegold von den Grünen Fortschritte für die Verbraucher. "Die EU stärkt die Rechte von Verbrauchern", sagte er. Sein Argument: Künftig müssen Versicherer bereits bei der Entwicklung von Produkten von den Interessen der Kunden ausgehen - und nicht von ihren eigenen oder denen der Vermittler. Damit das alles keine hohle Phrase bleibt, legt die IDD-Richtlinie fest, dass Provisionen keinen negativen Einfluss auf die Beratung haben dürfen - ein Vermittler soll nicht das Produkt mit der höchsten Provisionsladung verkaufen, sondern das für den Kunden passende. Um das zu gewährleisten, führt die EU auf Druck des Parlaments einen verbindlichen Standard ein, der von der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa in Frankfurt erarbeitet und von der Kommission beschlossen wird. Dann muss die Finanzaufsicht Bafin künftig dafür sorgen, dass die Angebote deutscher Versicherer - auch was die Provisionsbelastung angeht - den Kunden nicht schaden.