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Versicherungen:Allianz wird immer dominanter

Die deutsche Versicherungs-Branche ist extrem zersplittert, zahlreiche kleine und kleinste Unternehmen sind am Markt aktiv. Die Konsolidierung erfolgt nicht durch Übernahmen, sondern durch Verdrängung.

Von Herbert Fromme, Köln

Die Allianz baut ihren Marktanteil in Deutschland weiter aus. Dennoch bleibt die Versicherungsbranche fragmentiert mit einer Vielzahl kleiner und kleinster Anbieter. Das zeigen die neuesten Zahlen des Kölner Instituts für Versicherungsinformation und Wirtschaftsdienste (Kivi).

Die Allianz erzielte demnach 2019 einen Marktanteil über alle Versicherungssparten von 20,4 Prozent - acht Jahre vorher waren es erst 15,6 Prozent. Allein im Jahr 2019 legte die Allianz um 2,1 Prozentpunkte zu. Hauptgrund ist ihre starke Stellung in der Lebensversicherung. Die öffentlichen Versicherer, die zur Sparkassen-Finanzgruppe gehören, blieben stabil bei 10,3 Prozent, verglichen mit 10,4 Prozent im Jahr 2012. Das macht die Öffentlichen, darunter Provinzial, VKB, Sparkassenversicherung und VGH, zusammen zur zweitgrößten Gruppe im Markt.

Im selben Zeitraum stark verloren hat die Generali - von 9,4 Prozent auf nur noch sechs Prozent. Ergo, die Nummer vier, gab ebenfalls nach und ging von 7,6 Prozent auf 5,9 Prozent zurück. Nummer fünf ist die R+V, die leicht von 5,4 Prozent auf 5,9 Prozent gewann, während die Debeka etwas verlor und statt 5,1 Prozent Marktanteil im Jahr 2012 im Jahr 2019 nur noch auf 4,9 Prozent kam. Auch die Nummer sieben und acht im Markt, Axa und Talanx, verloren Marktanteile, während die HUK-Coburg in acht Jahren von 3,1 Prozent auf 3,5 Prozent wuchs.

Marktanteilsvergleiche bei Versicherern sind notorisch schwierig, weil die Konzerne zahlreiche Töchter haben und stark verschachtelt sind, Zahlen aber oft nur für einzelne Gesellschaften vorliegen. Es gibt in Deutschland mehr als 1200 Versicherungsunternehmen, darunter viele kleine Sterbekassen oder Viehversicherungen.

Die Kivi-Experten analysieren, welche von ihnen zusammengehören. Sie haben 62 Konzerne mit jeweils mehr als 50 Millionen Euro Umsatz ausgemacht. Von ihnen haben 41 weniger als ein Prozent.

"In der Versicherungswirtschaft ist der Innovationsdruck geringer als in anderen Branchen", sagt Kivi-Geschäftsführer Reiner Will. Der Markt sei auch deshalb so zersplittert, weil viele Versicherer in der Rechtsform eines Gegenseitigkeitsvereins arbeiten, also als Genossenschaften. Beispiele sind Debeka und HUK-Coburg.

Will glaubt, dass die Konsolidierung im deutschen Markt nicht so sehr durch Übernahmen passiert, sondern durch den Ausbau von Marktanteilen zu Lasten von Rivalen. Bestes Beispiel ist die Allianz: In der Lebensversicherung hatte der Konzern 2019 einen Anteil von 29,3 Prozent aller Prämieneinnahmen. Aber bei den neu verkauften Verträgen lag er bei 46 Prozent. Das wird sich in den kommenden Jahren auch bei den Prämie zeigen. Je mehr die Allianz zulegt, desto unbedeutender werden andere

© SZ vom 27.08.2020

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