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Versicherung:Neue Zeiten für Generali

Seine Altlast in Deutschland - die Generali Leben - hat der Triester Versicherer verkauft. Jetzt will er Gas geben und dafür auch andere Gesellschaften übernehmen - nur keine Lebensversicherer.

Die Generali ist ihre Altlast endlich los. Jetzt will der zweitgrößte Privatkundenversicherer in Deutschland wieder kräftig wachsen und dafür möglicherweise auch andere Gesellschaften kaufen.

Am 30. April trat die Verkaufsvereinbarung für die Tochter Generali Leben in München in Kraft. Die Gesellschaft hatte vor allem die kapitalintensive Lebensversicherung mit Zinsgarantie betrieben und ist für das Neugeschäft stillgelegt. Seit Dienstag gehört sie zu 89,9 Prozent dem Spezialisten Viridium in Neu-Isenburg. 10,1 Prozent bleiben bei Generali. Viridiums Eigner sind der britische Investor Cinven und die Hannover Rück. Sie wickeln den Bestand mit 3,8 Millionen Kundenverträgen ab. 300 frühere Generali-Mitarbeiter haben den Arbeitgeber gewechselt und arbeiten mit an der Abwicklung.

"Jetzt ist die vor vier Jahren angestoßene Unternehmenstransformation beendet", sagte Deutschlandchef Giovanni Liverani der SZ. Damals habe sich die Generali in Triest gefragt, ob sich das Engagement in Deutschland noch lohne. Er sei sich 2015 auch nicht sicher gewesen. Jetzt seien alle Zweifel verflogen. "Inzwischen fragen sie an, ob wie in Deutschland nicht mehr Geschäft machen können." Aus sieben Marken hat die Generali drei gemacht, aus 40 Vorstandsmitgliedern 10. Die Kosten senkte der Konzern um 270 Millionen Euro.

Der Deal mit Cinven hat der Generali einen Kaufpreis von einer Milliarde Euro eingebracht, dazu kommen noch Darlehensrückzahlungen. Netto seien das 1,1 Milliarden Euro, sagte Liverani. Einen bedeutenden Teil davon will der Konzern wieder in Deutschland investieren. 275 Millionen Euro sollen in den kommenden drei Jahren in die Bereiche Datenanalyse, künstliche Intelligenz und Roboternutzung fließen, mindestens 250 Millionen Euro in die Neuorganisation der Marken.

Der alte Name Generali Leben wird bald verschwinden, der Käufer wird die Firma umbenennen. Die Generali wird ihren Töchtern mit der Marke Aachen Münchener auch neue Namen geben: Die Aachen Münchener Leben heißt dann Generali Deutschland Leben, die Schwester in den Sachsparten trägt den Namen Generali Deutschland Versicherung. Die bisherige Central Kranken wird zu Generali Deutschland Krankenversicherung.

Liverani hält auch Übernahmen für möglich. Natürlich werde die Gruppe keinen Lebensversicherer von der Art kaufen, wie man ihn gerade verkauft habe, sagte er. Aber an der Übernahme anderer Versicherer oder eines Vermögensverwalters sei die Generali sehr interessiert. Dafür stehen Milliarden zur Verfügung.

Beim Thema Provisionsdeckel bleibt Liverani gelassen. Die große Koalition in Berlin will die Provisionen für Lebensversicherungsverträge auf 2,5 Prozent aller vom Kunden zu leistenden Beiträge beschränken. Wenn der Versicherer nachweist, dass die Beratung von besonders guter Qualität war, kann er auch vier Prozent zahlen.

Die Generali hat zwei Vertriebswege: Online bietet sie die Verträge über die Tochter Cosmos Direkt an. Im persönlichen Verkauf arbeitet sie exklusiv mit dem Großvertrieb DVAG zusammen, an dem sie 40 Prozent hält. Er könne von der Begrenzung betroffen sein. "Wir sind grundsätzlich gegen den Provisionsdeckel", sagte Liverani. Noch sei das Ergebnis des Gesetzgebungsverfahrens nicht klar. Bleibe es bei den bislang geplanten Größen, könne man "mit einigen Änderungen" auch damit leben. "Diese Pläne sind nicht so weit entfernt von der Realität", sagte er. Wie viel Provision Generali an die DVAG zahlt, will er aber nicht sagen. Die DVAG selbst ist bei dem Thema deutlich aufgeregter.

Rivalen hatten der Generali vorhergesagt, dass der 2018 initiierte Verkauf der Generali Leben das Ansehen nachhaltig beschädigen würde. Die Zahlen belegen das nicht: Das operative Ergebnis stieg 2018 um 9,4 Prozent auf 821 Millionen Euro. Die Beiträge in der Lebens- und Krankenversicherung erreichten 9,8 Milliarden Euro (ohne Generali Leben), ein Zuwachs von 4,5 Prozent. In der Schaden- und Unfallversicherung stiegen die Beiträge um 1,3 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro.